Das Zollner-Anwesen Hs.Nr. 66

 

1583/1623/1641/1691: Schuhbauernsölde – 1760: Hallmer Gütl - 1808: Pellkofer Hof Hs.Nr. 17 - 1838: Häusleranwesen

 

heute Hafner Str. 9

  

 

von Claudia Heigl

 

 

 

Erstes Benefiziatenhaus

In dem Landsteuer-Verzeichnis von 1699 wird dieses Anwesen als „altes Benefiziatenhaus“ bezeichnet.1 Dies lässt den Schluss zu, dass hier der Standort des ersten Benefiziatenhauses gewesen ist.  Der Gutsbesitzer Max von der Wart stiftet um 1400 eine wohlgebaute und wohlgelege Behausung, des Paul Fleischbauer seligen gewesen und von Hansen Pernzeller kauft“ an das Benefizium in Steinach.2

Die Lage war ideal. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Kirche und zur damaligen Benefiziumskapelle St. Maria, die damals noch direkt an der Pfarrkirche auf dem Steinacher Friedhof stand, hatte das Haus einen wundbaren Blick auf den Bogenberg.

Als das Benefizium unter der Schlossherrin Anna von der Wart um 1550 einging und das Benefiziat über 30 Jahre verwaist lag, dürfte auch das Benefiziatenhaus von der Schlossherrin auf Leibrecht anderweitig vergeben worden sein.

Erst durch Wiguläus Hundt wurde das Benefizium 1583 wiedererrichtet. Zu dieser Zeit dürfte dann das spätere Benefiziatenhaus zwischen Kirche und Schloss von ihm erworben worden sein. Leider gibt es hierzu keinerlei urkundlichen Nachweise.

 

uraufnahme

Hier auf der Uraufnahme wurde die Hofstelle mit der Hs.Nr. 67 eingezeichnet.
Ab 1838 hatte der Hof die Hs.Nr. 66
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

 

Bauernhof

1583 wird das Anwesen als Schuhbauernsölde bezeichnet, da ein Stefan Schuhbauer darauf das Leibrecht hat und Abgaben zahlt.3
Das Leibrecht bedeutet, dass er nur zu Lebzeiten das Nutzungsrecht auf dem Anwesen hat und es nach seinem Tod von der Hofmarksherrschaft, natürlich gegen eine Gebühr, wieder neu vergeben wird.

1623 folgt ein Ambrosy Schuhpauer, der mit seiner Mutter Margaretha darauf Leibrecht hat.4

 

Lt. Giltregister von 1641 ist ein haben Jakob und Barbara Fuchs auf der „Schuechpaur Sölde am KirchPühel“ das Leibrecht.5
Jakob ist seit 1639 mit der Bauerstochter Barbara Dirrigl von Unterniedersteinach Nr. 4 verheiratet.
Bei seiner Hochzeit wird der noch als Tagelöhner bezeichnet, ab 1640 erscheint er im Kirchenbuch als Söldner.
Das Ehepaar hat acht Kinder:
- Barbara *26.10.1640
- Magdalena *29.03.1642
- Gregor *02.06.1644
- Maria * 30.06.1646, Hoferbin
- Markus *01.11.1651, seit ca. 1676 Schuster in Steinach Nr. 68
- Jakob * 10.03.1654
- Paul *+ April 1656
- Barbara *16.06.1661 + 16.08.1699 mit 38 Jahren unverheiratet

 

1669 heiratet die Tochter Maria Fuchs den Bauerssohn Andreas Götzlbauer aus dem Getzlhof in dem Land ob der Enns.
Sie bringt sechs Kinder zur Welt:
- Gregor *1670
- Georg *1673 heiratet 1717 in einen Hof in Muckenwinkling ein (Hs.Nr.53) und wird dort Weber.
- Magdalena *1675
- Simon *+1678
- Simon *1680, Hoferbe
- Margaretha *1684

 

1699 zahlt Andre Gözlpauer von dem „alten Benefiziatenhaus“ 4 Schilling Pfennige Steuer. Das Haus wird mit 10 Pfund Pfennige bewertet.
Der Söldner besitzt außerdem zwei Ochsen und eine Kuh, für die er ebenfalls Steuer abführen muss.6

1708 übergibt der verwitwete Andreas Götzlbauer die Erbrechtssölde an seinen Sohn Simon, der die Bauerstochter Maria Schäffler von Roßhaupten zur Ehefrau nimmt.7

Eine Tochter mit Namen Walburga kommt von dem Ehepaar 1710 in Steinach zur Welt, dann zieht die Familie von Steinach fort.

 

Fuchs Besitzer

 

Neuer Hofbesitzer werden um 1710 Georg und Elisabeth Echinger.
Georg ist der Sohn des Tagelöhners und Totengräbers Gregor Echinger, der gegenüber wohnt. Seine Ehefrau Elisabeth die Tochter des Hafners Georg Grüneisl von Steinach. Beide haben bereits 1701 geheiratet und werden seitdem als Schneiderseheleute bezeichnet.
Acht Kinder sind von Ihnen bekannt:
- Maria Margaretha *1705
- Johann Stephan *1707 heiratet 1734 Elisabeth Aichinger von Steinach und ist zunächst Schuster in Steinach und Agendorf, bevor er ab 1742 Kramer in Steinach Nr. 56 wird.
- Maria Ursula *1710
- Mathias (ca. 1713-1777) heiratet 1732 die Witwe Barbara Schötz von Münster Nr. 50
- Franz Andreas 1713-1717
- Georg *1715
- Johann Thomas *1719
- Maria (ca.1721-1768) Hoferbin

 

1747 übernimmt Tochter Maria den Hof und geht eine Ehe mit dem Kramerssohn Johann Joseph Berger von Steinach Nr. 55 ein.

Nachdem Joseph Berger nach fünfjähriger Ehe mit 32 Jahren stirbt heiratet die Witwe 1757 den Schusterssohn August Wallner von Geiselhöring.

Nach ihrem Tod vermählt sich der Witwer 1769 mit Magdalena Edbauer von Unterwachsenberg.

 

Echinger Besitzer

 

Interessanterweise wird das Anwesen 1760 im Hofanlagsbuch als „Hallmer Gütl“ bezeichnet. Es bleibt ein Rätsel, woher dieser Name kommt.8

 

Wahrscheinlich nach dem Tod von August Wallner 1792 verkauft die Witwe Magdalena  Wallner das Anwesen an Johann und Maria Pellkofer von Stallwang.
Sie erwirbt im Gegenzug das Nachbaranwesen Nr. 64 (heute Kirchenparkplatz und Teil des Friedhofes in Steinach).

Sohn Kaspar Pellkofer übernimmt 1813 das Anwesen von den Eltern und nimmt die Bauerstochter Anna Maria Foidl von Rotham zur Ehefrau.

 

Pellkofer Besitzer

 

1835 tauschen Kaspar und Anna Maria Pellkofer ihr bisheriges Anwesen mit dem größeren Hof des Joseph Waas Hs.Nr. 55 (heute Fischer-Anwesen in der August-Schmieder-Str.40).

 

Waas Besitzer

 

Aber bereits zwei Jahre später erwirbt der Müllerssohn Johann Pummer und seine Braut Katharina Dietl von Eben, das Anwesen von der Familie Waas.

1861 übergibt Johann Pummer den Hof an seinen unehelich geborenen Sohn Jakob Pummer. Bei dessen Hochzeit wird als Mutter eine Anna Wenninger angegeben.

Jakob heiratet Anna Gerstl, die Mutter seiner ebenfalls vorehelich geborenen Tochter Anna. (Siehe hierzu uneheliche Kinder.)

 

Im November 1879 übernimmt Tochter Anna Pummer das Anwesen von den Eltern und vermählt sich mit dem Bauerssohn Joseph Zollner von Englberg.

1885 errichtet Anna und Joseph Zollner neben dem alten Wohnhaus ein neues Haus, dass die Hs.Nr. 85 erhält.

 

neg stei 20 kopie 3

 

 


Das alte Wohnhaus verkaufen sie am 23.12.1885 an Joseph’s Schwester Margaretha, die mit Joseph Amann von Oberwachsenberg verheiratet ist.

 

Das Ehepaar bewirtschaftete vorher einen Hof in Oberwachsenberg.

Zwei bekannte Kinder kamen in der Ehe zur Welt:
- Theresia (1874-1951) heiratet 1898 Johann Schwarz von Steinach Nr. 52 und 1903 dessen Bruder Ludwig.
- Maria (*1888) heiratet 1908 den Bauern Alois Knott von Steinach Nr. 32

 

Pummer Amann Besitzer

 

 

Im März 1911 erwirbt ihr Neffe Joseph Zollner jun. das Haus wieder von seiner Tante. Im gleichen Jahr übernimmt er den Hof von den Eltern Joseph und Anna Zollner. Das ursprüngliche alte Bauernhaus bricht er später ab.

Somit sind beide Anwesen wieder zusammengeführt worden. Die Hofstelle behält die neue Hs.Nr. 85.

Die alte Hs.Nr. 66 erlischt.

 

 

 

 

1 Archiv für Heimatgeschichte, Landsteuer der Hofmark Steinach 1699, fol. 3
2 Schlicht Josef, Steinach – ein niederbayerisches Geschichtsbild, erschienen im Unterhaltungsteil des Straubinger Tagblatt am 26.02.1883
3 Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“
4 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
5 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
6 Archiv für Heimatgeschichte, Landsteuer der Hofmark Steinach 1699, fol. 3
7 StA Landshut, Hofmark Steinach 405, Übergabevertrag von 1708, fol. 36'
8 BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760

 

Weitere Quellen:
Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“

Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
StA Landshut, Landschaft Unterlands Bd 1183, Steuerregister der Hofmarksuntertanen Steinach 1623
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Stiftregister der Hofmark Steinach 1691
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Landsteuer der Hofmark Steinach 1699
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 248, Konskription der Untertanen der Hofmark Steinach 1752
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
StA Landshut, Landschaft Unterlands Bd 1183, Steuerregister der Hofmarksuntertanen Steinach 1623
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Stiftregister der Hofmark Steinach 1691
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Landsteuer der Hofmark Steinach 1699
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 248, Konskription der Untertanen der Hofmark Steinach 1752
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10579, Umschreibehefte zum Urkataster  der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 72, 1843-1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10583, Umschreibehefte zum 1. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 56 - Ende, 1859 – 1906

StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10587, Umschreibehefte zum 2. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 66-Ende, 1906 – 1960
BZAR Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach

 

Das Zollner-Anwesen Hs.Nr. 85

früher Hs.Nr. 66

 

heute Hafner Str. 9

 

 von Claudia Heigl

 

 

 Im November 1879 übernimmt Tochter Anna Pummer das Anwesen Hs. Nr. 66 (Hafner Str. 9) von den Eltern und vermählt sich mit dem Bauerssohn Joseph Zollner von Englberg.

 

1885 errichtet Anna und Joseph Zollner neben dem alten Wohnhaus ein neues Haus, dass die Hs.Nr. 85 erhält. 
(Bis zur Einführung der Straßennamen erhielt jedes neu erbaute Haus in Steinach die nächst höhere Hausnummer, egal wo es erbaut wurde.)

 

 

neg stei 20 kopie 5

vorne an der Straße das alte Bauernhaus, dahinter der Neubau von 1885, der die Hs.Nr. 85 erhält

aufgenommen 1956
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte, Bestand Luftbildverlag Bertram

  


Das alte Wohnhaus verkaufen sie an Joseph’s Schwester Margaretha, die mit Joseph Amann von Oberwachsenberg verheiratet ist.

Das Zollner-Ehepaar hat zehn Kinder, von denen sechs im Kleinkindalter sterben. Vier Kinder erreichen das Erwachsenenalter:
- Franziska (*1883) heiratet 1909 Alois Meier
- Anna (*1885)
- Joseph (1887-1927), Hoferbe
- Maria (*1888) heiratet 1920 Joseph Pflügl

 

 

fo stei 1013 kopie

Das "neu" erbaute Zollner-Haus mit der Hs.Nr. 85
aufgenommen 1942
Familie Zollner, Steinach

 

 

Den Hof übernimmt im September 1911 der einzige Sohn Joseph.  Im März desselben Jahres hatte er bereits das frühere Bauernhaus (Hs.Nr. 66) von seinem Onkel und Tante Joseph und Margaretha Amann erworben, dass später abgebrochen wird. Somit sind beide Anwesen wieder zusammengeführt worden. Die Hofstelle behält aber die neue Hs.Nr. 85.

 

1912 heiratet er die Söldnerstochter Therese Bachl von Steinach Nr. 8.
Zehn Kinder gehen aus der Verbindung hervor, von denen ein Zwillingspaar kurz nach der Geburt stirbt:
- Therese (1913-1979), verh. mit Otto Berger von Steinach Nr. 72
- Joseph (1915-1942), vermisst im 2. Weltkrieg
- Karolina (1918-1998)
- Karl (*1920)
- Maria (*1921) verh. Högerl
- Anna (1922-2009), verh. Langhans
- Franz Xaver (1925-2023), wohnhaft in Wolferszell
- Adolf (1927-2013), Hoferbe

 

fo stei 1087 kopie

 Therese Zollner geb. Bachl und Joseph Zollner
mit den Kindern Josef und Therese
aufgenommen 1917
Bild: Familie Zollner

 

Kurz nach der Geburt des jüngsten Kindes, stirbt der 40-jährige am 11.08.1927 an Malaria und Brechdurchfall, eine Folge des ersten Weltkrieges. Die Witwe muss ihre acht Kinder zwischen 14 Jahre und 3 Monaten alleine großziehen.

 

fo stei 1016 kopiehinten v.l.Karl (1920), Therese verh. Berger (1913), Joseph (1915), Karolina verh. Kohlmeier (1918),
vorne Mutter Theres Zollner (1885-1968), Maria verh Högerl (1921) Anna verh. Langhans (1922), Adolf (1927), Großmutter Zollner Anna geb. Pummer (1858-1942), Franz Xaver (1925-2013)
aufgenommen 1933
Bild: Familie Zollner, Steinach

 

 

fo stei 1089 kopie

 Das Wohnhaus aufgenommen 1990 kurz vor dem Abriss
Das alte Haus wurde durch einen Neubau ersetzt.
Bild: Familie Zollner, Steinach

 

 

zollner besitzer

 

1952 übernimmt der jüngste Sohn Adolf (1927-2013) den Hof und ehelicht die Landwirtstochter Therese, geb.Bogenberger (1929-2024) von Steinach.

 

2024 wird das ehemalige Zollner-Anwesen von der Gemeinde Steinach erworben. Seit 2025 ist in dem Haus der Seniorentreff untergebracht.

 

luftaufnahme april 2025

 aufgenommen im April 2025
Bild: Claudia Heigl

Quellen:
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10583, Umschreibehefte zum 1. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 56 - Ende, 1859 – 1906
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10587, Umschreibehefte zum 2. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 66-Ende, 1906 – 1960
BZAR Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach

 

Veröffentlicht: 27.12.2025

 

 

 

Die Stanglsölde mit realer Hafnersgerechtigkeit Hs.Nr. 52

 

1583/1623: Die Ziflingersölde – 1641: Die Ziflinger- oder Imbhoversölde – 1691: Imhofer Sölde – 1760: Stangl-Gütl – 1808: Stiglbauer Hof Hs.Nr. 23

 

heute August-Schmieder-Str. 35

 

 

von Claudia Heigl

 

 

Uraltes Hafneranwesen bis 1845

Bei diesem Anwesen handelt es sich um eine uralte Hafnerei. Bereits 1583 besitzt der Hafner Paul Ziflinger darauf das Erbrecht und führt dafür 5 Schilling 25 Regensburger Pfennige „Tegelgeld“ an die Steinacher Schlossherrschaft ab. Die Familie Ziflinger tritt auch in Wolferszell als Hafner auf.

1623 liegt das Erbrecht bei der Witwe des Hans Imhofer. Auch die Imhofer zählen zu den alten Hafnersfamilien in Steinach.1

 

 

uraufnahme kopie

Die Stangl-Sölde erhielt 1838 die Hs.Nr. 52
Der Baumgarten daneben (rote Zahl 58) gehörte zum Metzgeranwesen Nr. 58 und wurde 1869 von Joseph und Philomena Schwarz vom Metzger Eduard Wegerer dazugekauft.
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

1641 besitzt der Steinacher Schullehrer Wolfgang Rosenhamer die Sölde auf Erbrecht. Er ist mit einer Barbara verheiratet und ist der Sohn des  Andreas Rosenhamer, Müller von Bruckmühl und später Söldner in  Agendorf Nr.43 .2
Fünf Kinder des Paares sind bekannt:
- Elisabeth + 12.01.1645
- Maria * 22.05.1640
- Barbara *08.07.1642
- Christopher * 19.08.1643
- Barbara * 09.02.1646
- Christoph * 24.11.1650

Wolfgang Rosenhamer ist von 1634 bis 1661 als Schullehrer in Steinach tätig, danach verliert sich die Spur der Familie. Den Mesnerdienst lässt er durch seinen Tagwerker ausüben. Ab 1634 fährt zu den Zehenttagen zusätzlich der sogenannte „Mesnerwagen“ als vierter Wagen mit, um die jährlichen Zehntabgaben der Bauern einzusammeln.

Ein Sittendelikt bringt ihm vor dem Hofmarks- und Landesgericht einen schweren Prozess ein. Um die Tat von sich abzuwälzen, beschuldigt er dabei einen Webergesellen aus Österreich fälschlicherweise.3

 

Rosenhamer Besitzer

Die Steinacher Hafner gehören der Hafnerzunft in Straubing an. Nur mit deren Zustimmung dürfen sich Hafner im Straubinger Umland niederlassen. Dass sich auf dem Anwesen eine uralte Hafnerei mit entsprechender Gerechtigkeit befindet, dürfte dazu führen, dass hier erneut ein Hafner ansässig wird.

 

1668 kommt mit Jakob Stelzer wieder ein Hafner auf das Anwesen. Er heiratet die Söldnerstochter Katharina „Laimer“ aus Steinach, die die Sölde vermutlich in die Ehe einbringt. Jakob stammt aus Steinburg, wo seine Eltern Sebastian und Anna Stelzer eine Bäckerei betreiben.

Seine Familie ist eng mit dem Hafnerhandwerk verbunden:

  • Eine Schwester, Margaretha, heiratet den Hafner Wolfgang Pummer von Wolferszell Nr. 10
  • Eine weitere Schwester, Magdalena, heiratet den Hafner Georg Schuhbauer von Wolferszell Nr. 8
  • Sein Bruder Christoph wird Hafner in Oberhunderdorf

 

Fünf Kinder der Hafnerseheleute sind bekannt:
- Andreas (  Am 29.07.1680 stellt Georg Schuhbauer, Hafner in Wolferszell, seinen Neffen und neuen Lehrjungen Andreas Stelzer von Steinach in der Zunftversammlung in Straubing vor, der 3 ½ Jahre bei ihm lernen soll und zahlt hierfür wieder 1 Schilling 12 Pfennige.4)
- Christoph (*1670)

- Anna (*1676) heiratet 1698 den Schusterssohn Johann Georg Rudolph von Gschwendt
- Martin (*1681) heiratet 1704 in Ascha die Bauerstochter Margaretha Sieber von Münster Nr. 3 und lässt sich als Hafner in Ascha Hs. Nr. 6 nieder.
- Maria (*1687)

 

Um 1688 stirbt Jakob Stelzer. Die Witwe heiratet daraufhin den Hafnerssohn Gregor Bachmaier (auch Pamer oder Pomer genannt) aus Au vorm Wald.

Aus dieser Verbindung geht die Tochter Maria Bachmaier (1693-1742) hervor.

Söhne von Hafnermeistern oder -gesellen erhalten von der Hafnerzunft gewisse Vergünstigungen bei der Übernahme einer Hafnerei, wenn sie sich bereit erklären, hinterlassene Witwen oder Töchter zu heiraten.

 

Nach dem frühen Tod des nur 31-jährigen Gregor Bachmaier heiratet die Witwe 1695 den Hafner Mathias Stangl aus Bogen. Diese Ehe bleibt kinderlos.

 

1720 übernimmt Maria Bachmaier das Hafneranwesen und vermählt sich mit dem Bauerssohn Michael Artmann aus Dunk, der ebenfalls das Hafnerhandwerk ausübt.

Acht Kinder kommen in der Ehe zur Welt, von denen vier bereits im Kindsalter sterben:
- Johann Michael (*1721)
- Johann (1729-1763), Hafner in Steinach, bleibt unverheiratet
- Maria Katharina (*1731)
- Maria Theresia (*1735)

 

1742 stirbt Maria Artmann im Alter von 49 Jahren. Michael Artmann heiratet sieben Jahre später die 34 Jahre jüngere Nachbars- und Söldnerstochter Anna Maria Deblinger aus Steinach Nr. 45.

In der zweiten Ehe kommen nochmals fünf Kinder zur Welt.
- Joseph (*1749)
- Maria (*1751)
- Walburga (*1752)
- Simon (1753-1761)
- Andreas (*1757)

 

Als der Hafner 1757 im Alter von 63 Jahren zu Grabe getragen wird, ehelicht die Witwe einen Sebastian Heizer.5

Es kommen nochmals neun Kinder zur Welt, von denen mind. drei im Kindsalter sterben:
- Anna Maria (*1759)
- Magdalena (*1761)
- Anna (*1762)
- Andreas (*1763)
- Rosina (*1766)
- Mathias (*1769)

 

1773 stirbt Sebastian Haizer. Ob anschließend ein neuer Besitzer auf das Anwesen kommt oder die Witwe dieses allein weiter bewirtschaftet, ist nicht bekannt.

 

Stelzer Besitzer

 

Erst 1804 ist mit Georg Freimuth, einem Tagelöhnerssohn aus Steinach, wieder ein neuer Besitzer des Anwesens nachweisbar.

Auch er übt das Hafnerhandwerk aus. Seine erste Ehefrau ist Maria Anna Poller, Tochter des Bürgers und Silberhändlers Willibald Poller von Deggendorf.

 

Der Hafner stirbt bereits zwei Jahre nach der Hochzeit an Lungensucht.  Die Witwe heiratet daraufhin den Hafnerssohn Franz Xaver Stiglbauer aus Viechtach.

Nach dem Tod dieser Ehefrau geht Stiglbauer 1828 erneut eine Ehe mit der Hafnerstochter Walburga Grüneisl von Steinach Nr. 65 ein.

Als Walburga nach dreijähriger Ehe ebenfalls stirbt, heiratet der Witwer die Schneiderstochter Maria Anna Fellinger von Abensberg.

Mit dem Tod des kinderlosen Franz Xaver Stiglbauer im Jahr 1845 endet die jahrhundertalte Hafner-Tradition auf dem Anwesen.

 

Freimuth Besitzer

 

 

Das Hafnergewerbe endet

Die Witwe Maria Stiglbauer verkauft 1849 den „Rest der zertrümmerten Standlsölde mit realer Hafnergerechtigkeit“ um 900 Gulden an die unverheirateten Baderstöchter Anna und Walburga Hagenauer aus Steinach. Sie selbst bleibt als Inwohnerin im Stübl auf dem Anwesen wohnen.

 

Anna Hagenauer ist Mutter einer unehelichen Tochter namens Philomena, die später die Hofstelle von Mutter und Tante übernimmt.
1867 heiratet sie den Söldnerssohn Joseph Schwarz von Untergrafenried.

Das Paar bekommt sieben Kinder, von denen zwei im Kindsalter sterben:
- Johann Baptist (1869-1902), Hoferbe
- Philomena (1872-1950) unverheiratet
- Therese (1874-1954) verh. Huber
- Ludwig (1878-1943), Hoferbe
- Karl (*1881), heiratet 1908 in München Anna Doll und lässt sich dort als Kaufmann nieder

 

 

fo stei 764 kopie

Das Prechtl-Anwesen
aufgenommen ca. 1931
Bild: Familie Prechtl, Steinach

 

 

1898 übernimmt der älteste Sohn Johann Baptist Schwarz das Anwesen in Steinach und vermählt sich mit der Söldnerstochter Theresia Amann aus Steinach Nr. 66.
Drei Kinder kommen in der Ehe zur Welt, von denen zwei das Erwachsenenalter erreichen:
- Maria (*1900) verh. mit Peter Guggenmoos, Garmisch
- Theresia (1901-1966), Hoferbin


Vier Jahre später stirbt Johann Baptist im Alter von 33 Jahren. Die Witwe heiratet daraufhin seinen jüngeren Bruder Ludwig.

Aus dieser Ehe gehen nochmals sieben Kinder hervor:
- Rosa (1904-1981) verh. mit Franz Xaver Herrnberger, Kurzwarenhändler in Steinach Hs. Nr. 53
- Anna (1906-1972) verh. mit Josef Stadler in Steinach
- Ludwig (*1907)
- Johann Baptist (1909-1942) gefallen
- Ottilie (*1913) verh. mit Thomas Reiser, Garmisch
- Philomena (*1915) verh. mit Friedrich Sieber, München
- Alois (1917-1983)

 

1931 übernimmt Tochter Theresia aus erster Ehe das Anwesen und vermählt sich mit Josef Prechtl aus Gollau.

 

Schwarz Besitzer

 

 

fo stei 570 kopie

 Das Prechtl-Anwesen
aufgenommen 1956
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach

 

 

 

! Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
2 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P59 III,  fol.451‘   Legitimation zu einer Erbschaft vom 09.11.1664
3 Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, S. 85

4 Stadtarchiv Straubing, Rep. II, Abt. 1dd1, Nr. 15, Protokollbuch der Hafner 1678 - 1706
5 Die Herkunft des neuen Ehemannes konnte bisher noch nicht ermittelt werden. Weder in Steinach noch in den Nachbarpfarreien Münster und Ascha ist ein Traueintrag verzeichnet.

 

Weitere Quellen:
Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“

Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
StA Landshut, Landschaft Unterlands Bd 1183, Steuerregister der Hofmarksuntertanen Steinach 1623
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Stiftregister der Hofmark Steinach 1691
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Landsteuer der Hofmark Steinach 1699
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 248, Konskription der Untertanen der Hofmark Steinach 1752
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
StA Landshut, Landschaft Unterlands Bd 1183, Steuerregister der Hofmarksuntertanen Steinach 1623
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Stiftregister der Hofmark Steinach 1691
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Landsteuer der Hofmark Steinach 1699
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 248, Konskription der Untertanen der Hofmark Steinach 1752
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10579, Umschreibehefte zum Urkataster  der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 72, 1843-1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10582, Umschreibehefte zum 1. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 55, 1859 – 1906
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10586, Umschreibehefte zum 2. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1-65, 1906 – 1960
BZAR Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach

 

Veröffentlicht: 27.12.2025

 

 

Textilgeschäft Herrnberger Hs.Nr. 53 (neu)

 

heute August-Schmieder-Str. 37

 

 von Claudia Heigl

 

 

Ursprünglich gehörte dieses Grundstück zur benachbarten „Stangl-Sölde“ mit der Hausnummer 52, das spätere Prechtl-Anwesen.

 

fo stei 570 kopie

 Das Grundstück, auf dem das Haus 1930 erbaut wurde, gehörte ursprünglich zum Schwarz-Hof, später Prechtl (rechts daneben)
aufgenommen 1956
Bild: Archiv für Heimatgeschichte Steinach

 

Im Jahr 1930 überließen Ludwig und Therese Schwarz das Grundstück ihrer Tochter Rosa (1904–1981) und ihrem zukünftigen Schwiegersohn, damit sie darauf ein Wohnhaus errichten konnten. Das neu erbaute Haus erhielt die Hausnummer 53, da das frühere Söldenanwesen mit dieser Nummer auf der gegenüberliegenden Straßenseite inzwischen abgebrochen worden war.

1938 heiratete Rosa den Schmiedsohn Franz Xaver Herrnberger (1903–1990) aus Niederharthausen.
Ludwig Herrnberger, Wirt in Steinach Nr. 17, war ein Cousin von ihm.
Aus der Ehe ging eine Tochter - Rosemarie - hervor.

Das Ehepaar richtete in dem Haus ein Textilgeschäft ein, in dem Kurz- und Schnittwaren sowie verschiedene Kleidungsstücke angeboten wurden.

 

fo stei 32

 aufgenommen 1950
Bild: Familie Röckl, Steinach

 

Das ursprüngliche Haus aus dem Jahr 1930 existiert heute nicht mehr und wurde mittlerweile durch einen Neubau ersetzt.

 

 

Quelle:
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10586, Umschreibehefte zum 2. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1-65, 1906 – 1960
BZAR Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach

 

 

Veröffentlicht: 27.12.2025

 

 Das Lohaus Hs.Nr. 9 1/2 in Gschwendt

 

heute Hauptstraße 4

 

von Cornelia Landstorfer

 

 

„Ein Haus zu Gschwendt, Lohaus genannt“

Das sogenannte Lohaus erscheint bereits im Jahr 1630 in den Aufzeichnungen des Bürgerspitals Straubing und wird dort ausdrücklich als zum Wirtshaus gehörig bezeichnet. Es befand sich gegenüber dem Wirtshaus auf einem Wiesengrund, unweit des damals bestehenden Backofens. Auf dem Gebäude ruhte eine Krämergerechtigkeit. Das Haus umfasste zu dieser Zeit eine Stube, zwei Kammern und ein Obergeschoss. Zum zugehörigen Besitz zählten ferner ein Stadel sowie ein kleiner Stall.

 1630: „Georg Stubenhofer Würth hat ein Lerhaus gleich gegenüber der Tafern das Lohaus genannt.
Ein Haus zu der Tafern gehörig, so das Lohaus genannt, Georg Stubenhofer hat ein Ploß laß Haus liegt gleich gegenüber der Tafern. Das Lohaus genannt steht mitten in des Wirtes Gründen und Wies.
Zu negst bey seinem Packofen, gleich daran die Kuglstatt, gehört zu obbemelter Taferne, hat ain Stuben, zwei Kömmern, ein Poden, ain Städel und Ställel, hat Gerechtigkeit auf ein Crämerei, aber ist kein Brief vorhanden.“
1

Das in den Quellen als Lohhaus, Lohaus oder Lonhaus bezeichnete Gebäude erhielt seinen Namen von der angrenzenden Flur Lohfeld. Der Flurname leitet sich sehr wahrscheinlich vom althochdeutschen loh für ein lichtes Waldstück oder eine Rodungsfläche ab. Das Lohhaus war demnach das Haus „am Lohfeld“, also ein zum Wirtshaus gehöriges Nebengebäude, das in dieser Flur lag. Vereinzelt wird das Gebäude auch als Ploßhaus bezeichnet, eine mundartliche Variante, die ebenfalls auf eine offene, unbewaldete Fläche hinweist.

 

uraufnahme

Das Lohhaus erhielt nach der Abtrennung vom Wirtshaus die Hs.Nr. 9 1/2 
Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

Mit dem zum Wirtshaus gehörenden Lohaus waren stets die jeweiligen Gastwirte zugleich Inhaber dieses Hauses (siehe hierzu auch Wirtshaus in Gschwendt:

1656: Thomas Georg, Sohn des Handelsmannes Georg Stubenhofer, wird als Wirt in Gschwendt genannt. Nach dem Tod seiner Ehefrau Anna Sabina Nißl heiratet er 1667 Magdalena Thanner aus Haselbach. Noch im selben Jahr verstirbt Thomas Georg; seine Witwe heiratet 1669 Peter Ludsteck aus Reibersdorf.
1706: Die Tochter Maria Ludsteck heiratet Wolfgang Seidl aus Neumark in Böhmen. In der Ehe werden vier Kinder geboren: Johann Stefan, Andreas, und Magdalena.
1731: Das Wirtshaus samt Lohhaus fällt an deren ältesten Sohn Stefan Seidl, der Klara Elena Klugmann, Tochter des Wirtes Johann Klugmann von Au heiratet.2
1742: Nach dem Tod Stefans heiratet die Witwe Klara Seidl Franz Thanner aus Gonnersdorf. Nach dem Tod von Klara heiratet Franz Thanner im Jahr 1745 Maria Catharina Probst aus Eggenfelden.
1768: Die Wirtstochter Walburga Thanner übernimmt mit ihrem Ehemann Lorenz Brandstetter aus Bruckhof das Anwesen, einschließlich Bier- und Branntweinausschank sowie Kram- und Metzgergerechtigkeit. Zu den Besitzungen zählen das Thurmaiergütl, das Lohrhäusl und insgesamt neun Weiher.3 Walburga stirbt 1776 und hinterlässt ein Kleinkind mit 3 ½ Jahren und einen Säugling mit ¼ Jahr.
1777: Der Witwer Lorenz Brandstetter heiratet Margaretha Sämer aus Furth im Wald; aus dieser Ehe geht ein Sohn hervor, ebenfalls Lorenz genannt.

 

Am 23. Januar 1782 stellt Lorenz Brandstätter einen Stiftbrief aus, durch den er Jakob Späth für die Dauer von vier Jahren die Metzger- und Kramgerechtigkeit sowie die Behausung auf dem „Bütlhof“ überlässt. Der Bütlhof muss das Lohhaus gewesen sein, da es bei einem späteren Stiftbrief wieder als solches bezeichnet wurde. Späth hat im Rahmen dieser Verleihung die üblichen Abgaben zu entrichten, darunter das herkömmliche Schutzgeld, die Inleutsteuer sowie die Herdstättengelder.4

Offenbar wurde der Vertrag vor Ablauf der vorgesehenen Frist beendet, denn bereits am 25. Mai 1784 wurde ein weiterer Stiftsbrief ausgestellt. Darin überträgt Lorenz Brandstätter die Metzger- und Kramgerechtigkeit samt der Behausung nun an Georg Kufner aus Viechtach, und zwar für die festgesetzte Dauer von sechs Jahren.5

Am 1. Juni 1799 verstiftet der Tafernwirt Lorenz Brandstetter die Metzger- und Krämersgerechtigkeit sowie das sogenannte Lohnhaus an Michael Praun, einen verheirateten Metzgerssohn aus Münster, der zu dieser Zeit das Metzgerhandwerk in Bogen ausübte.6

Am 20. September 1803 verstiftet Lorenz Brandstetter dem ledigen Metzgerknecht Anton Schneider, angehender Söldner zu Rattiszell, seine Metzger- und Krämergerechtigkeit sowie die Behausung auf dem sogenannten Lohnhaus. Die Verleihung gilt für die Dauer von drei Jahren, also bis 1806. Als Zeugen treten der Amtsschreiber Johann Michael Schuegraf sowie Josef Zeitlmayr, beide aus Gschwendt, auf.7

Am 9. August 1823 übernimmt Lorenz Brandstetter, der erst neunzehnjährige Sohn des Wirtes, das gesamte Anwesen von seinem Vater um den Betrag von 9.300 Gulden. Im Jahr 1827 vermählt er sich mit Anna Maria Bergmaier.8

1871 erbt Ludwig Brandstetter mit dem Wirtshaus auch das zugehörige Lohhaus.9

1888 übernimmt Sohn Lorenz. Dieser vermählt sich im Jahr 1890 mit Therese Landstorfer.

 

wirtshaus 1935 kopie

Jahrhundertelang gehörte das Lohhaus zum Wirtshaus
Links im Bild das Deuschl-Anwesen, rechts das Wirtshaus,
aufgenommen ca. 1935.



 

Das Lohhaus wird vom Wirtshaus unabhängig

Im Jahr 1908 wird das Lohhaus erstmals als eigenständige Hausnummer geführt. Inhaberin ist Maria Reifner; das Anwesen wird beschrieben als „Lohhaus mit Stall unter einem Dach, Wagenremise und Hofraum“.

 

1909 erwerben Michael Weber und Franziska, geb. Sieber von Thal bei Traitsching den Besitz.

1913 erfolgt die Übergabe an deren Sohn Josef und seine Frau Anna, geb. Ring.10

 

Weber Besitzer

 

1914 verkauft das Ehepaar Josef und Anna Weber das Anwesen an den Witwer und Metzger Jakob Baumgartner aus Stallwang.

 

Im August 1914 tauschen Johann und Franziska Krottenthaler, letztere eine geborene Stelzl, das kleine Anwesen gegen ihren Besitz in Loitzendorf. Dieser lässt das Wohnhaus erhöhen.11

 

plan lohhaus

Bauplan Johann Krottenthaler in Gschwendt über die Erhöhung des Wohnhauses, Oktober 1914.
Quelle: StALa, Baugenehmigungsakten BezA/LRA Bogen 2369

 

lohhaus 1970 1 kopie

So hat das Bauernhaus nach der Aufstockung ausgesehen.
Bild: aufgenommen ca. 1970

 

 

Krottenthaler Besitzer

 

 

Franz Xaver Deuschl, Landwirt in Hagnberg Nr. 39 und seine Ehefrau Maria, geb. Fuchs erwerben am 19.06.1928 den Hof für 15 000 Goldmark.

Franz-Xaver Deuschl ist am 17.03.189612 in Hagnberg als Sohn von Johann und Josefa, geb. Scheubeck aus Buchberg, zur Welt gekommen. Sein Bruder Johann Deuschl, geb. 26.12.1890, ist am 17.06.1917 im ersten Weltkrieg gefallen. Maria Fuchs wurde am 27.08.1898 als Tochter des Bauern Michael Fuchs aus Hinterbuchberg und dessen Ehefrau Franziska Zollner geboren.13

Xaver Deuschl war ab ca. 1948 bis in die 1960er Jahre Bürgermeister in Gschwendt.

 

Deuschl Besitzer

 

deuschl 1950

rechts außen Xaver Deuschl
aufgenommen ca. 1950 in Ascha

 deuschl ehgartner jagd

Links Franz Xaver Deuschl, daneben Ehgartner, dritter von links Theo Hölzl aus Ascha, rechts Josef Haimerl aus Gschwendt, kniend Paul Ammer
nach der Jagd
aufgenommen ca. 1960

 

jagdbild

Rechts hinten Franz-Xaver Deuschl, 3. von links hinten: Merl (Au).

 

 

lohhaus 1970 2 kopie

Das Haus ist inzwischen abgerissen.
aufgenommen ca. 1970

 

  

1 Stadtarchiv Straubing, Salbuch 1630 von Gschwendt, fol. 812.
2 StALa, Kommunalarchive, Rep. 219 (1586).
3 StALa, Kommunalarchive, Rep. 219 (1589).
4 StALa, Kommunalarchive, Rep. 219 (1589).
5 StALa, Kommunalarchive Rep. 219 (1591), Stiftsbrief auf 6 Jahr 25. Mai 1784.
6 StALa, Kommunalarchive Rep. 219 (1594), Stiftskontrakt 75fl.
7 StALa, Kommunalarchive Rep. 219 (1596), Stiftskontrakt.
8 StALa, Grundsteuerkataster 208.
9 StALa, Grundsteuerkataster 214.
10 StANürnberg, Notariatsurkunde Nr. 46, Mitterfels.
11 StALa, Grundsteuerkataster 214.
12 https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/mitterfels/Mitterfels004/?pg=190.
13 https://data.matricula-online.eu/de/deutschland/regensburg/mitterfels/Mitterfels004/?pg=204.

 Das Hafnergütl Hs.Nr. 5 in Gschwendt

 

heute Kinsachstraße 5

 

 

von Cornelia Landstorfer

 

 

Auf diesem Haus wurde bis etwa 1810 das Hafnerhandwerk ausgeübt. Um 1870 gehörten 22 Tagwerk Grundbesitz zu dem Anwesen.

Ein Stiftbrief zugunsten der Pfarrkirche St. Michael in Steinach aus dem Jahr 1489 weist dieses Anwesen als Besitz der Straubinger Bürgerin Kathrei Puchsenmeister nach. Die Stifterin musste der städtischen Mittel- oder Oberschicht angehören, da sie Grundbesitz hatte und selbständig als Rechtsperson auftrat.

 

1489, Freitag vor Petri ad vincula, Straubing
Ich, Kathrey Puchsenmeisterin, Bürgerin zu Straubing
, bekenne hiermit öffentlich für mich, meine Erben, Freunde und Nachkommen:
Ich übergebe mit wohlbedachtem und freiem Willen mein Gut mit allem Zubehör, gelegen in der Hofmark Gschwend des Spitals zu Straubing. Dieses Gut ist mir teils erblich von meinem verstorbenen Bruder Benedikt Zaun zugefallen, teils habe ich es von meinen Verwandten und Untertanen abgelöst und vollständig an mich gebracht.
Mit Zustimmung eines ehrbaren Rates und des Spitalpflegers zu Straubing übergebe ich dieses Gut der Pfarrkirche St. Michael zu Steinach samt ihren Kirchenpröpsten – für die Stiftung eines ewigen Jahrtags, wie nachfolgend bestimmt.
Es soll für meinen Bruder Benedikt Zaun, für dessen Ehefrau Margarethe (beide verstorben), und für mich, Kathrey Puchsenmeisterin, auf ewige Zeiten ein jährlicher Jahrtag sowie ein Sonntagsgedächtnis abgehalten werden.
Der Jahrtag soll in der Woche vor dem St.-Veit-Tag (15. Juni) gehalten werden und soll am Sonntag zuvor von der Kanzel angekündigt werden.
In der festgelegten Woche soll eine gesungene Vigil, zwei gesungene Ämter am Morgen, eine gesprochene Seelenmesse mit aufgesteckten, brennenden Kerzen wie es üblich ist gefeiert werden. Jährlich sollen aus dem Gut 46 Regensburger Pfennige und 2 Regensburger Pfennige für den Mesner gegeben werden. Wenn die Kirche dieser Verpflichtung nicht nachkommt, hat der Spitalpfleger zu Straubing das Recht, die Einkünfte des Gutes einzuziehen und sie den Armen im Spital zukommen zu lassen.1

 

1508 sind in einer Urkunde der Fragner Hans Schuster, Bürger zu Straubing und seine Frau Barbara als Verkäufer des Erbrechtes auf der Sölde genannt. Käufer ist Leonhard Pichlmayr aus Wolferszell und Ehefrau Margaretha.

Drei Schilling und zehn Regensburger Pfennige mussten an die St. Michaelskirche in Steinach als Stiftgeld bezahlt werden.2

 

1529 ist ein Leonhard Weber genannt, der vermutlich auf dem genannten Anwesen war.3

 

Im Jahr 1606 erben Paul Fischer, rentmeisterischer Untertan aus Wolferszell und seine Frau Eva nach dem kinderlosen Tod von Fischers Bruder Christoph dessen Erbrecht. Das Ehepaar lebt jedoch in Wolferszell und kann das Anwesen nicht selbst bewohnen, deshalb überlassen sie die Sölde in Gschwendt ihrem Sohn Michael Fischer und seiner Frau Maria.4

 

1618 war Lienhart Weber auf dem Anwesen.5

 

Der Hafner Michael Limer besaß vor 1630 neben der Hausnummer 3 die danebenliegende Hafnersölde, die er jedoch wieder veräusserte.6

 

uraufnahme kopie

 Die Hafnersölde erhielt 1838 die Hausnummer 5 in Gschwendt
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas, Uraufnahme

 

 

Ab 1630 wird Michael Fischer als Hafner auf dem Haus genannt.

In erster Ehe war er mit einer Rosina verheiratet und hatte mit ihr einen Sohn:
- Andreas (*27.11.1639)

Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1643 Margaretha Weißböck von Schönach.
Zusammen mit seiner Ehefrau Margaretha hatte er nochmals zehn Kinder: Johann (1), Johann (2), Thomas, Johann (3), Walburga, Anna, Georg, Thomas Georg, Maria und Elisabeth. Alle Söhne starben.

 

Fischer Besitzer

 

Folgende Beschreibung ist im Salbuch des Bürgerspitals Straubing zu lesen:
„Zu solchem gehert ain behaußung, ain Rosstahl, ain Stadl, mit ainem Then, und noch Viechstähl, ain Poden, ain Pachoffen, alles von grundt auf zimmert und erpaudt, der hoff ist schen groß und eben, vor dem hauß ain gredt, und ist an den übrigen orthen, so mit gepeuen nit beschlossen, würdet der hoff mit ainer zaunstatt umbgeben und eingemacht.“

 

Im Jahr 1657 musste Michael Fischer Strafe zahlen:
„Michael Vischer Hafner zu Gschwendt hat an ausständigen 9f 4k umb verkauftes Holz und Strafgeld hergeführt in Abschlag  2 Gulden 49 Kreuzer.“7

 

Es folgt ein Leonhard Hartberger, Hafner (+vor 1669) und Walburga.

 

Hartberger Besitzer

 

Ca. 1668 kommen der Hafner Johann Schuhbauer und seine Ehefrau Ursula auf das Anwesen. Das Ehepaar betrieb vorher in Steinach Hs.Nr. 62 eine Hafnerwerkstätte.
Am 14.07.1674 wird Hans Schuhbauer, Hafner in Gschwendt, beschuldigt, sein Roß in die Getreidefelder getrieben zu haben, wofür er mit 1 Gulden 8 Kreuzer 4 Heller bestraft wird.8

Im Januar 1675 fällt der 32-Jährige in das Mühlrad in Gschwendt, wobei er eingeklemmt wird und ertrinkt.

 

Aus der Ehe gehen keine Kinder hervor. Die Witwe Ursula Schuhbauer heiratet den Schullehrerssohn Johann Dirlinger aus Steinach, der auch die Hafnerwerkstätte weiterbetreibt.
Drei Kinder kommen in der Ehe zur Welt:
- Antonia (*1677)
- Adam (*+1678)
- Bartholomäus (*1679)

 

1683 stirbt die 40-jährige Ursula im Kindsbett und der Witwer nimmt die Bauerstochter Ursula Stubenhofer aus Gschwendt Nr. 1 zur zweiten Ehefrau.
Es kommen in der Ehe sieben Kinder zur Welt, von denen zwei im Säuglingsalter sterben:
- Maria (*1684)
- Anna Maria (*+1685)
- Maria (*1687)
- Ursula (*1689)
- Anna (*1691)
- Anna (*1693)
- Adam (*+1694)

 

1695 stirbt die 39-Jährige und der Witwer geht erneut eine Ehe mit der Söldnerstochter Rosina Klein von Steinach ein.
Es kommen nochmals sieben Kinder zur Welt:
- Barbara (*1696)
- Walburga (*1698)
- Georg (1700-1742), wird ab 1722 Hafner in Steinach Nr. 69
- Adam (*1702)
- Johann (*1704)
- Johann (*1706)
- Mathias (*1711)

 

Schuhbauer Besitzer

 

 

Um 1718 tauschen Johann und Rosina Dierlinger ihr Anwesen mit dem Hafneranwesen des Ehepaares Christopher und Maria Miller in Steinach Hs.Nr. 69.

Christopher war ein Neffe des Johann Dierlinger und seit 1711 mit der Bauerstochter Maria Deblinger aus Steinach verheiratet.
Das Paar hat zehn Kinder. Die ersten fünf sind in Steinach geboren, die weiteren fünf in Gschwendt:
- Mathias (*1712)
- Maria (*1713)
- Joseph (1715-1766) heiratet 1743 die Hafnerswitwe Eva Wiesinger von Ascha Nr. 27
- Simon (1716-1785) heiratet 1754 die Hafnerswitwe Martha Lankes von Steinach Nr. 62
- Maria (1718-1764) heiratet 1744 den Schneider Nikolaus Kiefel von Gschwendt Nr. 10
- Anna (*1719) als Kind verstorben
- Katharina (*1720)
- Anna Maria (*1726) als Kind verstorben
- Anna Maria (*1727) heiratet 1760 den Maurer Wolfgang Steinbiller von Wiesenfelden und lässt sich mit ihrem Ehemann in Gschwendt nieder.
- Joseph (1730-1772), Hofnachfolger

 

 

1762 übernimmt der jüngste Sohn Joseph Miller die Hafnerei und heiratet die Bauerstochter Theresia Schütz vom Kindlasberg.
Das  Ehepaar hat fünf Kinder:
- Stephan (*1763) als Kind verstorben
- Joseph (*1765) als Kind verstorben
- Michael (*1766)
- Joseph (*1769)
- Jakob (*1771)

 

28.05.1773: Nach dem Tod des Hafners und Söldners Josef Müller wird für die Witwe Theresia und die drei Kinder Michael (7jährig), Josef (4 ½jährig) und Jakob (5/4 Jahre) folgender Vertrag geschlossen: Der Witwe verbleibt die durch Heirat am 16.10.1762 an sich gebrachte zur Pfarrkirche Steinach grundbare Erbrechts-Hafnersöldenbehausung. Den Kindern hat sie je 66 Gulden und 40 Kreuzer auszubezahlen. Falls die Söhne eine „Handtierung“ erlernen wollten, muss die Witwe oder ihr künftiger Ehemann je sechs Gulden aufbringen.

Zeugen: Ignaz Zehetmayr, Schreiber und Andre Rauschendorfer, Spitalhausknecht, beide zu Straubing.9

 

Die Witwe geht danach eine Ehe mit dem Hafnerssohn Johann Georg Scherzer aus Oberhunderdorf ein. Hier wird ein Vertrag geschlossen, in dem der Bräutigam 100 Gulden Heiratgut mitbringt.

Aus der Ehe gehen keine Kinder mehr hervor.

 

1789 stirbt Theresia Scherzer und das Erbe wird verteilt:

27.06.1789: Auf Ableben der Theresia Scherzer, Ehefrau des Georg Scherzer, Hafner und Söldner zu Gschwendt, hat sich der zurückgelassene Wittwer mit seinen angeheirateten zwei Stiefsöhnen, Michael, 22 Jahre und Jakob Miller, 17 Jahre, letzterer von Lorenz Thaller Hufschmied zu Parkstetten und Andre Weichselgartner, Halbbauer zu Gschwendt bevormundet, um ihr Vater- und Muttergut verglichen.
Die seit 22. Oktober 1773 mittels Heirat an sich gebrachte Erbrechts-Hafnersölde verbleibt dem Wittwer.10

 

 Der Witwer heiratet die Bauerstochter Magdalena Fruhstorfer von Kößnach.
Auch hier wird ein Heiratsvertrag geschlossen:
23.10.1789: Georg Scherzer, verwitweter Hafner und Söldner zu Gschwendt hat sich mit der tugendsamen Magdalena, Tochter von Hans Georg Fruhstorfer, gewester Bauer zu Kößnach und Theresia dessen Eheweib, verehelicht. Die Braut bringt ein Heiratsgut von 400 Gulden an Geld. Der Bräutigam verheiratet der Braut dessen durch Vertrag de dato 30. Oktober an sich gebrachte Hafnersölde. Beiständer auf Seiten des Hochzeiters Martin Scherzer, Bürger und Hafner zu Bogen und Josef Schuhbauer, auch Hafner zu Wolferszell, dann auf Seiten der Braut Bärtlme Fruhstorfer, Bauer zu Kößnach und Johann Geiger, Bauer am Unterharthof und Hans Andre Fruhstorfer, Häusler zu Kagers.11

 

Die Ehe bleibt ebenfalls kinderlos.

Am 27.09.1810 verkauft der Hafner Georg Scherzer zusammen mit seiner Ehefrau Magdalena aufgrund hohen Alters sein zur Mutterkirche Steinach erbrechtig grundbares Viertlgütl mit Vorbehalt der Hafners Gerechtigkeit an Georg Foierl von Eggersberg um die Summe von 1100 Gulden. Der Stiefsohn Michael Müller sollte 50 Gulden bei seiner Verehelichung erhalten.

 

Miller Besitzer

 

 

 

Damit endet das jahrhundertalte Hafnergewerbe auf dem Anwesen.

 

Johann Georg Foyerl war der Sohn der Halbbauerseheleute Johann Georg Foyerl und Elisabeth geb. Urban von Eggersberg. Die Familie wohnte zuvor in Schwemm, bevor sie ein Anwesen in Eggersberg erwarb.
Georg’s Großvater stammte von Steinach Hs.Nr. 41. Der Familienname Foidl wandelte sich in der Linie in Foyerl/Foierl.

Johann Georg Foierl heiratet am 28. September 1810 Elisabeth Eidenschink von Schleißersgrub.12

In der Ehe kommen zehn Kinder in Gschwendt zur Welt. Hier wird als Familienname wieder Foidl eingetragen:
- Josef (1810-1811)
- Sebastian (*1812)
- Johann Bapitst (1813-1814)
- Anna Maria (*+1814)
- Theresia (*1816)
- Katharina (1817-1877), lebte unverheiratet in Gschwendt
- Georg (1819-1819)
- Anna (1823-1878), Hoferbin
- Margaretha (1825-1878), lebte unverheiratet in Gschwendt
- Barbara (*1827)

1831 wird das Anwesen im Grundsteuerkataster wie folgt beschrieben: „Das 1/4 Hafnergütl, beim Foierl

Wohnhaus und Stall unter einem Dach, Stadel, Backofen und Hofraum.13

Tochter Anna heiratet 1852 den Söldnerssohn Clement Probst aus Falkenfels und „erkauft“ das Anwesen um die Summe von 2345 Gulden.14
Das Paar bekommen sechs Kinder:
- Therese (1853-1933) heiratet 1880 in Ascha den Bauern Joseph Fuchs (1848-1918) vom Krähof. Beide haben ihren Alterssitz später in Steinach Nr. 49.
- Anna (*+1855)
- Klemens (1857-1908)
- Anna (1860-1866)
- Joseph (*1863)
- Anna (*1868)

 

Nachdem 1878 Anna Probst an Typhus stirbt wird folgender Muttergutsvertrag aufgesetzt:
„N. V. U. Nr. 100 Urkunde des königlichen Notars Eggert in Mitterfels am 11. Februar 1879 ad 8600 M. incl. Besitz in der Steuergemeinde Ascha auf Ableben der Ehefrau Anna zufolge des Muttergutsvertrages zum Alleineigentum erworben.“

Clement Probst ist 1855/63-66 als Gemeindevorstand und 1868 als Gemeindepfleger genannt.

 

Am 18.08.1887 übergibt der Witwer das Anwesen an seinen Sohn Clement Probst und dessen Braut Theres Bach15

Ein Sohn kommt in Gschwendt zur Welt: Klement (*1888)

 

 

foyerl probst besitzer

 

 

Am 17.12.1889 tauschen Jakob Götz  und Kathi Menacher die Mühle in Ascha mit Clement und Therese Probst gegen deren Anwesen in Gschwendt.16

 

fo gschw 1 kopie

aufgenommen ca. 1956
Bild: Familie Landstorfer, Gschwendt

 

Bereits sechs Monate später erwerben Johann und Maria Weinzierl das Anwesen um 2500 Mark.
Johann stammt von Schwemm und hatte bereits 1883 die Schreinerstochter Maria Schmid von Loitzendorf geheiratet.

1924 übergibt das kinderlose Ehepaar das Anwesen an ihre Nichte Kreszenz Weinzierl.

 

1927 heiratet Kreszenz den Bauerssohn Johann Steger von Tragenschwand.

 

 

Weinzierl Steger Besitzer

 

 

 

 

 

 

 

1 Vgl. StALa, Rentkastenamt Straubing B157.
2 Vgl. Stadtarchiv Straubing, Salbuch Bürgerspital, fol. 801``.
3 StALa, Landschaft Unterlands Rep. 286 Nr. 1180/III.
4 Vgl. Stadtarchiv Straubing, Salbuch Bürgerspital, fol. 804``.
5 StALa, Rentkastenamt Straubing B157.
6 Vgl. Stadtarchiv Straubing, Salbuch Bürgerspital 1630, fol. 713.
7 Vgl. Stadtarchiv Straubing, Rechnung Bürgerspital 1657.
8 Laschinger J., Geschichte der Spitalstiftungen in Straubing erschienen im Jahresbericht des HV f. Straubing 87 Jg. 1986, S. 251
9 Vgl. StALa, Kommunalarchive (Rep) 219 1588.
10 Vgl. StALa, Kommunalarchive (Rep) 219 1593.
11 Vgl. StALa, Kommunalarchive (Rep) 219 1593.
12 Vgl. StALa, Kommunalarchive (Rep) 219 1600.
13 Vgl. StALa, Grundsteuerkataster 208.
14 Vgl. StALa, Grundsteuerkataster 212.
15 Vgl. StALa, Grundsteuerkataster 214.
16 Nach K. V. Nr. 144 und Not. Urkunde des k. Notars Eggert in Mitterfels vom 17. Dez. 1889 ad 10400 M gegen das Anwesen Hs. Nr. 4 in Ascha ad 12971 Mark eingetauscht

 

veröffentlicht: 24.03.2026

 

Die Lehner-Sölde Hs.Nr. 18 – heute Heimerl-Anwesen

 

1583/1623: Die Ackermaiersölde –1641: Die Ackermaier- oder Zellersölde - 1691: Sölde -


 1760: 1/8 Bach Sölde - 1808: 1/8 Lehner Hof Hs.Nr. 50 - ab 1838: Hs.Nr. 18

 

 heute August-Schmieder-Str. 8

 

von Claudia Heigl

 

 

Der Hof im unteren Dorf trägt im Jahr 1583 die Bezeichnung „Ackermaiersölde“. Zu dieser Zeit besitzt Hans Ackermaier das Erbrecht auf dem Anwesen. Doch schon damals wird Wolfgang Zeller als sein Nachfolger genannt.1 

Auch im Stiftregister von 1623 erscheint Zeller erneut, inzwischen mit einem weiteren Nachfolger: dem Schmied Erhard Stark.2 Der Schmied hat auch die Schmiedwerkstatt auf Leibrecht erhalten.
Er scheint auch bei dem Überfall der Schweden im Jahr 1637 vertrieben oder getötet worden sein. Denn 1641 wird auf der Schmiede Sebastian Grieneisen genannt. 

 

uraufnahme

Das Anwesen erhielt die Hs.Nr. 18
Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

Auf der Ackermaier- oder Zellersölde, wie der Hof nun genannt wird, führt 1641 der Zimmermann Gregor Burgstaller Abgaben ab.3

In den Kirchenbüchern von Steinach finden sich Einträge über zwei seiner Kinder – Georg, der 1644 stirbt, und Maria, geboren 1645.
Eine weitere Tochter, ebenfalls Maria genannt, kommt 1647 in Wolferszell zur Welt.

 

Burgstaller Besitzer

In den Steuerregistern klafft danach eine Lücke von etwa fünfzig Jahren.
Wahrscheinlich lebt in dieser Zeit der Söldner Kaspar Zollner auf dem Hof, der 1666 in Steinach begraben wird.
Seine Tochter Anna heiratet 1674 in Münster den Häusler Christopher Glächsl (Hs.Nr. 33).

 

Jakob Zollner, vermutlich ein Sohn Kaspars, ist hier ansässig. 1691 zahlt er für seine Sölde 45 Kreuzer Steuer, und 1699 wird sein Haus auf 15 Pfund Regensburger Pfennige geschätzt.4

Seit 1669 finden sich in den Kirchenbüchern Taufen von Kindern Jakobs und seiner Frau Magdalena. Ihr Traueintrag ist jedoch nicht verzeichnet.
- Eva (*14.02.1669 + 18.08.1669)
- Balthasar (*12.07.1670)
- Balthasar (*14.08.1672) heiratet 1704 die Bauerstochter Maria Billinger und wird als Halbbauer in Steinach ansässig. Wo genau ist jedoch unklar.
- Michael (*09.09.1677 + 20.09.1677)
- Simon (*28.10.1683), Hoferbe

 

Simon Zollner tritt 1702 die Nachfolge an und heiratet die Schneiderstochter Margaretha Bachl aus Münster.

Das Paar hat zahlreiche Kinder:
- Johann (*1703)
- Maria Anna (*1705)
- Lorenz und Tiburtius (*1707)
- Maria (*1709)
- Michael (*1710) heiratet 1755 die Tagelöhnerstochter Katharina Schießl von Steinburg
- Mathias (*1713), Hoferbe
- Johann Nikolaus (*1715), als Kind verstorben

 

Nach Margarethas Tod heiratet Simon erneut, diesmal Elisabeth Meßerer aus Aiterhofen.
Aus dieser zweiten Ehe stammen sechs weitere Kinder:
- Johann Jakob (1718-1722)
- Joseph (*1721) heiratet 1749 Maria Hien und lässt sich als Häusler in Steinach Nr. 34 nieder
- Johann (*1724) heiratet 1755 Maria Riedl und wird Tagelöhner in Steinach
- Barbara (*1727)
- Maria (*1731) als Kind verstorben
- Martin (*1732)

Mathias, Sohn aus erster Ehe, übernimmt 1751 den Hof und heiratet die Bauerstochter Barbara Bründl von Oberniedersteinach Nr. 10.
Das Paar hat nur eine Tochter, Katharina, die später den Hof übernimmt.

 

Als Barbara 1765 stirbt, heiratet Mathias sechs Wochen später erneut, Barbara Burghauser.
Von den beiden Kindern dieser Verbindung überlebt nur Mathias, der 1766 geboren wird.
Er heiratet 1796 die Söldnerstochter Maria Anna Piendl aus Oberascha und übernimmt mit ihr den Hof der Schwiegereltern.

 

Das Glück der Familie währt nicht lange: Im Februar 1771 sterben sowohl Barbara als auch ihr Ehemann Mathias kurz nacheinander.

Zurück bleiben die vierzehnjährige Katharina und ihr kleiner Bruder Mathias, der noch keine fünf Jahre alt ist. Nur wenige Monate später heiratet die jugendliche Katharina den Bauerssohn Johann Georg Treml von Rammersberg. Über das Paar gibt es jedoch außer dem Traueintrag keine weiteren Hinweise in den Kirchenbüchern.

 

 

Zollner Besitzer

 

 

1785 zieht ein neuer Bauer auf den Hof ein: Andreas Lehner aus Tempelhof. Mit seiner Frau Anna Pummer von Kögl führt er den Betrieb weiter, doch die Ehe bleibt kinderlos.

 

heimerlanwesen1856 hinten

Das Heimerl-Anwesen aufgenommen 1956
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach

 

Am 02.01.1791 bringt Annas Schwester Katharina Pummer5 in Steinach einen unehelichen Sohn namens Sebastian zur Welt. Vater ist der Bauerssohn Franz Bachmayer von Semmersdorf6.

Vermutlich bleibt das Kind bei Andreas und Anna Lehner und wächst dort als Pflegekind auf.

 

1819 übernimmt Sebastian Bachmayer das Anwesen. Er heiratet die Müllerstochter Anna Maria Solleder von der Aichmühl.

Ihr gemeinsamer Sohn Sebastian wird 1823 geboren und später Häusler in Steinach Nr. 7 (Brunnenweg 6).

Drei Jahre nach seiner Geburt stirbt der Vater mit nur 32 Jahren an Lungenschwindsucht.

 

Die junge Witwe heiratet daraufhin den Bauerssohn Johann Hahn aus Kirchroth.
Das Paar hat acht Kinder:
- Johann (*1825) heiratet 1854 in Pondorf Anna Maria Schwarz von Niederachdorf und lässt sich in Oberzeitldorn nieder. Sein Sohn Franz Xaver heiratet 1886 in den Pellkofer-Hof in Steinach Nr. 55 (heute Fischer, August-Schmieder-Str. 40) ein
- Georg (*1828)
- Theresia (*1830)
- Anton (*1833)
- Helena (*+1838)
- Joseph (*1839)
- Franz Xaver (*1842)
- Michael (1845-1897), Hoferbe

 

1874 übernimmt der jüngste Sohn Michael Hahn den Hof. Er ehelicht die Bauerstochter Maria Foidl von Steinach Nr. 14 (August-Schmieder-Str. 2).
Michael nimmt am Deutsch-Französischen Krieg teil, dient im Infanterie-Leib-Regiment (3. Bataillon) und wird am 9. Dezember 1870 bei der Schlacht bei Beaugency verwundet.

 

Lehner Besitzer

 

Da die Ehe kinderlos bleibt, verkauft die Witwe nach Michaels Tod den Hof 1900 an Joseph Heimerl, der aus dem Heimerl-Hof in Steinach Nr. 11 (Brunnenweg 1) stammt.

 

fo stei 1835

aufgenommen 1960
Bild: Familie Heimerl, Steinach

 

 

Joseph heiratet die Bauerstochter Margaretha Scheubeck vom Kindlasberg.

Sie bringt elf Kinder zur Welt, von denen vier im Säuglingsalter sterben.
Als 1932 der 58-jährige Joseph stirbt, bleibt seine Witwe mit sieben Kindern zurück.

 

fo stei 1834 kopie

Franz Xaver und Margareth Heimerl
aufgenommen am 20.11.1906
Bild: Familie Heimerl, Steinach

 

 

Heimerl Besitzer

 


Sie führt den Hof noch achtzehn Jahre lang allein weiter, ehe sie ihn an ihren jüngsten Sohn Franz Xaver Heimerl übergibt.

 

neg stei 79 ausschnitt

 Der Heimerl-Hof aufgenommen 1980
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbildverlag Bertram, München

 

 

 

  

1 Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“
2 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Stiftregister über das adlige Gut und Hofmark Steinach 1623
3 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
4 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Landsteuer der Hofmark Steinach 1699
5 Katharina Pummer ehelicht einen Norbert Schütz, Hausbesitzer in Straubing. Dieser unterzeichnet auch die Heiratslizenz von seinem Stiefsohn (Pfarrarchiv Steinach).
6 Von Franz Bachmayer, Unterziegelmeister in Straubing, kommt am 10.10.1798 eine Tochter namens Anna Maria in Straubing zur Welt.

 

Weitere Quellen:
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 248, Konskription der Untertanen der Hofmark Steinach 1752
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10579, Umschreibehefte zum Urkataster  der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 72, 1843-1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10582, Umschreibehefte zum 1. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 55, 1859 – 1906
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10586, Umschreibehefte zum 2. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1-65, 1906 – 1960

 

 

Veröffentlicht: 12.11.2025

 

Das Webergütl in Wolferszell

 

1760: Strassenhäusl - 1808: 1/16 Weberbau-Hof Hs.Nr. 7 - ab 1838 1/16 Webergütl Hs.Nr. 11

 

heute Chamer Str. 8, Eich

 

von Claudia Heigl

 

 

 

1579 bestand das Anwesen in Wolferszell lediglich aus einem kleinen hölzernen Söldenhäusl, zu dem kein Grundbesitz gehörte.
Walburga, Witwe des Michael Zöfel, zahlte dafür an den fürstlichen Kasten in Straubing 12 Regensburger Pfennige Zins.1

 

Weitere Besitzer laut dem Salbuch von 1579 waren:

Paul Vischer

Hans Werle

 

uraufnahme

1838 erhielt das Anwesen die Hs.Nr. 11
Uraufnahme aus dem Jahr 1838
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

 

Zeit des Dreißigjährigen Krieges

1640 wird Blasius Bach mit seiner Ehefrau Katharina als Besitzer genannt.
Katharina stirbt noch im selben Jahr, und der Witwer heiratet am 29. Mai 1641 die Anna Limer, Witwe des Johann Limer von Stallwang.
Eine Tochter namens Maria wird am 19. Mai 1642 in Wolferszell geboren. Danach verliert sich die Spur der Familie.

 

 

Bach Besitzer

 

 

Wahrscheinlich traf sie das gleiche Schicksal wie viele Bewohner von Wolferszell:
Im Juli 1647 fielen schwedische Truppen in die Gegend ein, blieben drei Monate, verwüsteten die Höfe und töteten oder vertrieben die Bevölkerung.
In den folgenden Jahren lagen viele Höfe brach, Äcker und Wiesen verödeten.2

 

fo wolf 39 ausschnitt

Das "Webergütl" aufgenommen ca. 1956
Bild: Archiv für Heimatgeschichte Steinach

 

 

 

 

Verbindung zum Fischerhof

Das Haus wurde später als Zubau zum Fischerhof Nr. 21 (Mühlenweg 2, Miedaner) genutzt.
Ab etwa 1651 hatte das Söldenhaus die gleichen Besitzer wie der Fischerhof in Wolferszell – und das blieb rund 140 Jahre lang so.

Vermutlich wohnten in dem kleinen Haus die Weberfamilien von Wolferszell, wodurch sich der Name „Webergütl“ etablierte.

 

Die Weberfamilie Stubenhofer als Inwohner

1681 erwarb der Weber Mathias Stubenhofer das Söldenanwesen (Haus Nr. 4, heute Chamer Straße 6) von seinem Schwager Blasius Schmidbauer.
Das Einkommen der Familie reichte kaum zum Leben.


1710 verkaufte sein Sohn Georg Stubenhofer das Anwesen an den Wirt Hans Georg Rieger von Wolferszell.
Die Familie Stubenhofer zog daraufhin als Inwohner in das benachbarte Haus, wo die Brüder Christoph und Georg Stubenhofer gemeinsam das Weberhandwerk ausübten.

Nachkommen der Familie Stubenhofer

Christoph Stubenhofer und Ehefrau Katharina

  •  Ursula (*1713)

Georg Stubenhofer und Ehefrau Susanna

  • Kaspar (1712–1783) – Maurer und Weber in Steinach Nr. 31
  • Florian (*1715) – heiratet 1745 Katharina Holzer, Tochter des Hofbauern Markus Holzer vom Schlossgut Steinach
  • Elisabeth (*1718) – heiratet 1739 Georg Buchner, Bauer von Muckenwinkling Nr. 60
  • Jakob (1721–1772) – bleibt als Weber und Inwohner im Haus, heiratet Katharina Füssl aus Kleinneundling

Nach Jakobs Tod heiratet seine Witwe den verwitweten Weber Mathias Berl von Au bei Ascha (Haus Nr. 38).

 

 

Stubenhofer Einwohner

 

 

 

Wiederabtrennung vom Fischerhof

1791 verkauft der Fischerhof-Bauer Josef Weber das Haus an den Kramer Adam Wiesmüller aus Wetzelsberg.
Die günstige Lage an der Straße zwischen Straubing und Cham brachte dem Kramer gute Kundschaft.

 

 

Wiesmller Besitzer

 

 

1807 verkauft Wiesmüller das Haus und erwirbt dafür das Schuhbauerngut (Haus Nr. 22, heute Chamer Straße 4).
Neuer Eigentümer wird der ledige Schuhmacher Johann Drechsler (1776–1850).

 

1843 kauft Georg Miethaner das Anwesen, verkauft es jedoch 1853 weiter an den Bauerssohn Josef Mauser von Krumbach.
Josef heiratet Therese Solleder vom Wasenhof.

Kinder von Josef und Therese Mauser:

  • Therese (*1854)
  • Josef (1855–1929) – Hoferbe
  • Kreszenz (*1857)
  • Katharina (*1864)

 

 

 

Familie Mauser (Ende 19. bis Anfang 20. Jahrhundert)

1890 übernimmt Josef Mauser jun. das Anwesen.
Er ist Polizeidienstmann und verheiratet mit Walburga Thanner aus Pilling.
Das Ehepaar hat acht Kinder, von denen drei im Säuglingsalter sterben.

Kinder von Josef und Walburga Mauser:

  • Maria (1890–1958) – heiratet 1919 Alfons Bielmeier aus Steinach Nr. 43
  • Johann Baptist (*1892) – heiratet in Regensburg Barbara Mulzer
  • Ludwig (1894–1915) – fällt im Ersten Weltkrieg
  • Kreszenz *(1895) – heiratet 1927 in Regensburg Florian Harlander
  • Franz Xaver (1896–1975) – Polizeibeamter in Fürstenzell

 

fo wolf 184

Josef und Walburga Thanner mit ihren Kindern:
Kreszenz, Johann, Franz Xaver und Maria mit ihrem Ehemann Alfons Bielmeier
der gefallene Sohn Ludwig ist auf dem Bild in der Mitte
aufgenommen ca. 1920
Bild: Familie Kiefel, Irland

 

 

Kurz vor dem Tod von Walburga verkauft die Familie das Anwesen.
Josef Mauser verbringt seinen Lebensabend bei seiner Tochter Maria Bielmeier in Steinach.

 

Mauser Besitzer

 

 

fo wolf 181

Die Familie Mauser 1990 vor dem alten Haus ihrer Großeltern in Wolferszell
Bild: Familie Kiefel, Irland

 

 

Eigentümerwechsel im 20. Jahrhundert

Am 10. März 1927 erwerben Johann und Therese Zink das Anwesen, verkaufen es jedoch bereits 1928 an Jakob und Anna Guggenberger weiter.


1935 geht der Besitz zunächst an die Bayerische Siedlungsbank in München über.


Im selben Jahr kaufen ihn  Schneider Ludwig (1881–1974) und seine Ehefrau Therese, geb. Krottenthaler (1905–1962).

 

Durch spätere Einheirat trägt die Familie schließlich den Namen Eich.

 

 

 

 

 

1 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B38, Sal- und Urbarsbuch des Rentkastenamts Straubing, Band II 1579-1807, fol 150‘
2 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B90, Schmalzbuch des Kasten Straubing 1641-1650

Weitere Quellen:
BayHStA Kurbayern Hofkammer 114, Konskription des Haupkastenamts Straubing von 1752

Rentamt Straubing B138, Häuser- und Rustikalsteuerkataster Wolferszell 1808
Rentamt Straubing B139, Umschreibbuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster Wolferszell 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Agendorf von 1836
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9932, Umschreibeheft von Agendorf 1843 - 1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9935 Umschreibeheft von Agendorf 1859 - 1894
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9939 Umschreibeheft von Agendorf 1894 - 1960
BZA Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach

 

 

Veröffentlicht: 05.11.2025

 

 

Die Harbrunner-Sölde Hs.Nr. 16 – Sieber

 

1583/1623: Brunnsölde - 1641: Brunn- oder Gözsölde - 1691: Freysölde - 1760: Gözen Sölde -


1808: 1/8 Habrunner Hof Hs.Nr. 48 - ab 1838: Hs.Nr. 16

 

heute Bachstr. 2

 

von Claudia Heigl

 

 

 

 

Die Anfänge – Familie Göz (1583–1757)

Bei dem Anwesen handelt es sich um die sogenannte „Brunnsölde“, die bereits 1583 im alten Salbuch der Hofmark Steinach erwähnt wird.

Damals besaß Mathias Göz das Erbrecht darauf und entrichtete an den Hofmarksherrn von Steinach 1 Schilling und 25 Pfennige an Gilt.1

 

Der Name des Anwesens dürfte sich von der Nähe zum Bach ableiten, aus dem das Wasser entnommen werden konnte – ähnlich wie beim alten „Brunnhof“ am Steinachbach (heute Brunnenweg 7).

 

uraufnahme

Der Hof erhielt 1838 die Hs.Nr. 16
Uraufnahme
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung, Bayernatlas

 

Im Jahr 1623 hat Bartlme Göz, vermutlich ein Sohn des Mathias, das Erbrecht auf dem Hof, der mit 15 Pfund Regensburger Pfennigen bewertet wird.2 3 

1641 erscheint Wolf Käderspeck als Inmann und zahlt dafür Stift.Seine Ehefrau Maria stirbt am 14. Dezember 1645 in Steinach5. Vermutlich handelt es sich bei diesem Wolfgang Käderspeck um denselben Mann, der ab 1647 als Bauer von Unterhartberg in Erscheinung tritt.

 

Im selben Jahr, 1647, heiratet Johann Götz die Steinacher Bauerstochter Barbara Hitzinger und übernimmt den Hof.
Es liegt nahe, dass Käderspeck zuvor die Witwe des Bartholomä Göz geheiratet hat und der Besitz nun an den Stiefsohn übergeht.
Das Ehepaar Johann und Barbara Götz hat fünf Söhne:

  • Georg (*12.1647)
  • Zacherias (*05.04.1650)
  • Johann (*12.06.1652)
  • Michael (*24.09.1655)
  • Georg (*04.07.1661), Hoferbe

 

 

Der jüngste Sohn Georg Götz übernimmt 1688 den Hof und heiratet Johanna Regina Fischer von Steinach Nr. 14.
Aus der Ehe gehen drei Kinder hervor:

  • Johann (*07.12.1693), der 1723 die Hafnerstochter Maria Wiesinger von Steinach Nr. 63 heiratet
  • Maria, die 1714 den Bauerssohn Johann Mühlbauer vom Berghof heiratet; nach einigen Jahren als Tagelöhner in Steinach verliert sich ihre Spur
  • Georg (*10.03.1697), Hoferbe

 

Nach dem Tod seiner Frau Regina heiratet Georg Götz 1698 in zweiter Ehe Magdalena Hainz von Haibach.
Aus dieser Verbindung stammen fünf weitere Kinder:

  • Mathias (+1699)
  • Sebastian (+1700)
  • Eva (*1701)
  • Johann Georg (*1703)
  • Maria (1706–1709)

 

Der Sohn Georg Götz aus erster Ehe übernimmt 1727 das Anwesen und heiratet Maria Foidl von Agendorf.
Die Ehe bleibt kinderlos.


Als Georg Götz 1757 stirbt, heiratet seine 64-jährige Witwe 1759 den 31-jährigen Halbbauerssohn Johann Michael Berger von Steinach Nr. 55.
Nach drei Jahren stirbt auch Maria, und der Witwer geht eine neue Ehe mit der Bauerstochter Maria Bründl von Oberniedersteinach ein.
Aus dieser Verbindung geht eine Tochter hervor:
Anna Maria (*1763), die 1789 den Häusler Bartholomäus Pummer von Münster Nr. 52 heiratet und mit ihm dorthin zieht.

 

 

 

Goetz Besitzer

 

 

Die Familie Habrunner (1783-1904)

 

Um 1783 kommt Mathias Habrunner aus Unterzeitldorn auf das Anwesen. Er heiratet die Schneiderstochter Maria Eva Haindl von Steinach Nr. 42.
Drei Kinder werden geboren:

  • Simon (*1784), als Kind verstorben
  • Johann (*1785)
  • Katharina (*1787)

Bei der Geburt des dritten Kindes stirbt Eva. Der Witwer heiratet zwei Monate später Anna Geith, Bauerstochter vom Dexenhof.
In dieser zweiten Ehe werden sechs weitere Kinder geboren:

  • Wolfgang (*1788), als Kind verstorben
  • Katharina (*1790), heiratet 1822 den Kufner Sebastian Haindl von Steinach Nr. 42
  • Maria Anna (*1791), heiratet 1831 den Schneider Georg Haindl von Steinach Nr. 19
  • Theresia (*1793)
  • Mathias (*1795), Hoferbe
  • Johann (1798–1800)

 

Im September 1833 verkauft Mathias Habrunner rund sieben Tagwerk Grund an die Steinacher Bauern Andreas Dietl, Johann Hahn, Georg Fuchs und Joseph Wallner.
Zwei Wochen später übergibt er den Hof mit den verbleibenden Grundstücken an seinen Sohn Mathias Habrunner jun.
Der 38-Jährige heiratet Maria Pummer, Müllerstochter von Steinburg.
Das Paar hat bereits einen vorehelich geborenen Sohn Johann Georg, da das damalige Ansässigmachungsgesetz eine Heirat ohne Immobilienbesitz nicht zulässt – erst mit der Hofübergabe ist die Eheschließung erlaubt.

 

Johann Georg Habrunner, das einzige Kind des Paares, heiratet 1858 die Halbbauerstochter Katharina Schwarzensteiner von Wiesing und übernimmt im selben Jahr den Hof.
Von den sechs Kindern des Ehepaares überlebt nur die Erstgeborene *Franziska (1859) das Säuglingsalter.


1872 stirbt Johann Georg an einem Lungengeschwür, und die Witwe heiratet den Söldnerssohn Johann Dengler von Kienberg.

Im April 1904 verkaufen Johann und Katharina Dengler das Anwesen mit 10 Hektar Grundbesitz an den Immobilienhändler Xaver Foidl von Straubing und ziehen in das Nebenhaus des Rothamer Hofes nach Rotham.

 

habrunner besitzer

 


Foidl veräußert anschließend mehrere Grundstücke und verkauft die verbleibende Hofstelle mit etwa 2 Hektar Restbesitz am 18. Mai 1904 an Martin Sieber von Münster Nr. 26 (Chorherrenstraße 14).

 

 

neg stei 27 auszug2

 Der Sieber-Hof in der Bachstraße
aufgenommen 1956
Bild: Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbildverlag Bertram, München

 

 

Familie Sieber (ab 1904)


Der Viehhändler heiratet Maria Ameismeier, Söldnerstochter aus Münster Nr. 41.
Aus der Ehe gehen 13 Kinder hervor:

  • Maria (*1905), verh. Heilmeier
  • Martin (1906–1986), Hoferbe
  • Joseph (*1908)
  • Peter (1909–1955), Sägemeister in Steinach
  • Franz Xaver (*1910, gefallen 1942)
  • Johann Baptist (1912–1977), Gütler in Steinach Nr. 6
  • Franziska (1913–1997), verh. Nickles
  • Theresia (+1915)
  • Karl (*1916, gefallen 1943)
  • Katharina (1908–1994), verh. Kameter
  • Hedwig (*1919), verh. Krug
  • Georg (+1921)
  • Ludwig (1923–1987), Gütler in Steinach Nr. 69

 

 sieber besitzer

 

1957 übernimmt Martin Sieber den Hof. Er ist seit 1939 mit Anna Meier von Furth verheiratet.

 

neg stei 62 auszug

aufgenommen 1978
Bild: Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbildverlag Bertram, München

 

Das alte Bauernhaus ist inzwischen abgerissen.

 

 

1 Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“
2 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
3 StA Landshut, Landschaft Unterlands Bd 1183, Steuerregister der Hofmarksuntertanen Steinach 1623
4 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
5 BZAR, Pfarrmatrikel Steinach Bd.11, S. 29

 

Weitere Quellen:
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Stiftregister der Hofmark Steinach 1691
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Landsteuer der Hofmark Steinach 1699
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 248, Konskription der Untertanen der Hofmark Steinach 1752
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10579, Umschreibehefte zum Urkataster  der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 72, 1843-1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10582, Umschreibehefte zum 1. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 55, 1859 – 1906
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10586, Umschreibehefte zum 2. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1-65, 1906 – 1960
BZAR Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach

 

Das ¼ Kappengut Hs.Nr. 39 in Agendorf

heute Leibl-Hof

 

1760: ¼ Kropfgütl  – 1808: Hs.Nr. 5 Kappenhof - heute Mitterfelser Str. 5

 

von Claudia Heigl

 

 

 

Auch dieser Hof zählt zu den alten Anwesen in Agendorf, die ursprünglich dem Augsburger Domkapitel gehörten.
Im Jahr 1535 erwarb Herzog Ludwig X. von Bayern die Besitzungen des Domkapitels – darunter auch diesen Hof in Agendorf. Seitdem wurden die Höfe vom Rentkastenamt Straubing verwaltet, an das die Bauern ihre Abgaben entrichten mussten.

 

uraufnahme

1838 erhielt der Hof die Hs.Nr. 39

Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

Die ersten Besitzer

1579 befindet sich der sogenannte Viertelbau im Besitz des Knodt Sebastian, laut Kaufbrief von 1541.1 Zum Anwesen gehörten ein hölzernes Wohnhaus, ein Stall und ein Backofen – alles in mittlerem Zustand. Der Wert wurde auf 15 Pfund Regensburger Pfennige geschätzt.2

 

1599 bewirtschaftet Andreas Khropf den Hof, in dessen Besitzverzeichnis eine Kuh vermerkt ist.3

Ihm folgt Melchior Hunger, der vermutlich die Witwe des Khropf heiratete.

1622 sterben Melchior Hunger und seine Ehefrau Margaretha. Die Vormünder ihrer Tochter Margaretha – Michael Hunger und Thomas Luttner – verkaufen den Hof an Andreas Kropf, vermutlich einen Sohn des früheren Besitzers Andreas Khropf.4

 

Die Familie Schmidbauer

Um 1633, wohl nach den ersten Schwedeneinfällen, zieht Stephan Schmidbauer mit seiner Frau Margaretha auf das Anwesen.

Sie haben vier Kinder:

  • Wolfgang (*06.12.1639)
  • Johann (*25.06.1642)
  • Thomas (*07.12.1645)
  • Maria (*26.03.1647)

 

1664 übergibt die verwitwete Margaretha Schmidbauer den Hof an ihren Sohn Wolfgang; ihr Sohn Johann erhält seinen Erbteil ausbezahlt.5

 

Wolfgang verdient zusätzlich seinen Lebensunterhalt als Leinweber und ist insgesamt viermal verheiratet. Mit seiner ersten Frau Margaretha bleiben keine Kinder bekannt. Nach deren Tod heiratet er 1666 Margaretha Wörl, Tochter eines Söldners aus Wolferszell Nr. 5.

Aus dieser Ehe stammen vier Kinder:

  • Paul (*1668), der 1684 beim Steinacher Hafner Georg Schuhbauer in die Lehre geht
  • Johann (*1670)
  • Maria (*1674), heiratet 1707 den Bauerssohn Johann Thurmayer vom Thanhof und übernimmt das Anwesen in Steinach Nr. 51
  • Georg (*1677)

 

Nach dem Tod seiner Frau Margaretha im Jahr 1678 verkauft Wolfgang den Hof in Agendorf an den Bruckmüller Georg Scherzer und zieht nach Steinach Nr. 51, wo er weiterhin als Leinweber tätig ist und 1707 stirbt.

 

Schmidbauer Besitzer

 

 

Von den Bründl zu den Schirmbrand

Um 1679 erwerben die Bauerseheleute Georg und Apollonia Bründl aus Hoerabach den Hof, vermutlich als Austragswohnung.
1693 geht der Besitz an ihren Sohn Martin, 1705 an den Enkel Georg über, die beide zugleich den Hof in Hoerabach bewirtschaften.

 

Bruendl Besitzer

 

 

1717 erwerben Maria und Wolfgang Schirmbrand das Anwesen.
Sie haben mindestens vier Kinder:

  • Johann Georg (*ca. 1710), Hoferbe
  • Maria (*1719)
  • Joseph (*1723)
  • Michael (1724–1725)

Nach dem Tod seiner Frau Maria im Jahr 1725 heiratet Wolfgang die 31-jährige Witwe Maria Viechtraubinger. Bei der Geburt des ersten gemeinsamen Kindes sterben sowohl Mutter als auch Tochter Maria Katharina kurz nacheinander.
In dritter Ehe vermählt sich Wolfgang mit der 40-jährigen Witwe Magdalena Rosenhamer.

 

1732 übernimmt Sohn Johann Georg den Hof und heiratet Maria Wartner, Söldnerstochter aus Scheibelsgrub.

Das Paar hat sieben Kinder:

  • Jakob (1733–1789), Söldner in Steinach Nr. 45
  • Maria Katharina (*1736), als Kind verstorben
  • Katharina (*1737), heiratet 1759 den Häusler Joseph Artmann aus Steinach Nr. 39
  • Franz (*1739), als Kind verstorben
  • Johann Georg (1741–1822), Hoferbe
  • Barbara (*1743)
  • Anna Maria (*1746)

 

Der jüngste Sohn Johann Georg übernimmt den Hof und heiratet 1767 Maria Anna Zeindlmayr, Bauerstochter aus Agendorf Nr. 34.
Aus dieser Ehe gehen sechs Kinder hervor:

  • Maria Magdalena (*1766)
  • Anna Maria (*1768), heiratet 1796 den Kramer Michael Musi aus Münster Nr. 16
  • Joseph (*1771), Hoferbe
  • Johann Georg (*1774)
  • Magdalena (*1776), heiratet 1800 Stephan Geiger aus Agendorf Nr. 41 und 1801 Jakob Färber
  • Maria Anna (*1777)

 

Sohn Joseph übernimmt 1808 den Hof und heiratet Maria Magdalena Bogner, Bauerstochter aus Rotham Nr. 29.
Die Ehe bleibt kinderlos.

 

 

Schirmbrand Besitzer

 

 

Die Brunner- und Neumaier-Zeit

1833 verkaufen sie das Anwesen an Georg Brunner aus Oberschneiding für 2.800 Gulden.

Georg Brunner ist mit Barbara Petzendorfer aus Hierlbach verheiratet. 1835 werden Zwillinge geboren, die jedoch bald sterben.
Der voreheliche Sohn Joseph stirbt 1847 mit 24 Jahren.

 

Brunner Besitzer

 

Das kinderlose Paar verkauft den Hof 1852 an Joseph Neumaier und dessen Ehefrau Maria, geb. Wagner, über deren Herkunft nichts bekannt ist.

1862 übernimmt die Tochter Anna Maria den Hof mit 28 Tagwerk Grundbesitz. Sie heiratet 1863 den Söldner Johann Fischer aus Münster Nr. 47 und zieht dorthin.

 

Der Hof wird verkauft, und in den folgenden zehn Jahren wechseln die Eigentümer mehrfach:

  • 23.04.1863: Ludwig Knott
  • 03.10.1864: Georg Sagstetter (Tausch gegen ein Anwesen in Bogen)
  • 01.07.1865: Mathias Wacker (Tausch)
  • 06.09.1865: Ludwig Knott (Kauf)
  • 16.06.1867: Peter Wurm, Wirt von Agendorf (durch Jurisdation)
  • 13.12.1869: Helena Wurm (Übernahme)

 

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Der Hof um 1947 
Aquarell gemalt von Lehrer Pöpperl
Quelle: Familie Leibl, Agendorf

 

 

 

Die Familie Räß und Leibl

Am 14.03.1872 erwerben schließlich Josef und Therese Räß den Hof mit 30 Tagwerk Grundbesitz für 12.575 Mark.
Therese, geborene Hierl, ist die Tochter des Agendorfer Schmieds Johann Hierl. Die Familie war zuvor in Herrnfehlburg ansässig, bevor sie nach Agendorf zog.


Das Paar hat sieben Kinder:

  • Therese (*1851)
  • Anna (1852–1941)
  • Philomena (1855–1941), heiratet 1884 in Parkstetten den Landwirt Franz Xaver Schätz aus Scheften und in zweiter Ehe 1892 Johann Ernst
  • Johann Baptist (1857–1921), Hoferbe
  • Therese (*1860)
  • Kreszenz (1862–1951), heiratet 1890 Joseph Schreiner, Söldner in Agendorf Nr. 43
  • Stephan (1868–1924), heiratet 1892 Therese Steinek aus Steinach Nr. 47

 

1881 übernimmt Johann Räß den Hof und heiratet Rosina Benedikt aus Eisenhart.
Das Paar hat zwei Töchter:

  • Rosina, spätere Hoferbin
  • Maria (*1893)
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Räß Johann und Rosina geb. Benedikt mit Tochter Rosina  verh. Leibl und Maria verh. Metzger
aufgenommen ca. 1910
Bild: Familie Leibl, Agendorf

 

 

Tochter Rosina heiratet 1913 Rupert Leibl, Bauerssohn aus Oberniedersteinach Nr. 8 und übernimmt den Hof.
Über seine Mutter, Maria Leibl geb. Dobmeier, schrieb der Steinacher Schlossbenefiziat die Erzählung Mutterlos.

Rosina und Rupert Leibl haben vier Kinder:

  • Maria (1914–1997), ledig
  • Rosina (*1919)
  • Johann (1921–1996), Hoferbe
  • Mathilde (1927–2015), verheiratet Spießl in Münster
 
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Rosina Leibl, geb. Räß und Rupert Leibl 
mit Sohn Johann, Tochter Rosina und Tochter Maria
aufgenommen ca. 1922
Bild: Familie Leibl, Agendorf

 

Leibl Besitzer

 

 

 

 

1951 übernimmt Sohn Johann Leibl (1921-1996) den Hof und heiratet Maria Sagstetter (1930-2016), Bauerstochter aus Niedermenach.

 

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aufgenommen ca. 1984
Bild: Familie Leibl, Agendorf

 

Ihre Nachfahren leben noch heute auf dem Hof.

 

 

1 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B39, Sal- und Urbarsbuch über die propsteiischen Lehengüter des Rentkastenamts Straubing, 1579, fol. 55‘
2 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B99, Steuerbuch des fürstl. Kasten Straubing 1578
3 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B101, Steuerbuch des fürstl. Kasten Straubing 1599
4 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P39 , fol 82‘  Kaufvertrag vom 12.11.1622
5 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P59 III,  fol.411‘   Übergabe vom  27.06.1664

 

Weitere Quellen: 
BayHStA Kurbayern Hofkammer 515, Konskription des Hauptkastenamts Straubing Amt Trudendorf von 1760

StA Landshut, Rentamt Straubing B130, Häuser- und Rustikalsteuerkataster Trudendorf incl Agendorf 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B131, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster Trudendorf incl Agendorf 1814 - 1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Agendorf von 1836
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9932 Umschreibeheft zum Grundsteuerkataster von Agendorf 1843 - 1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9935 Umschreibeheft zum Grundsteuerkataster von Agendorf 1859 - 1894
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9939 Umschreibeheft zum Grundsteuerkataster von Agendorf 1894 - 1960
BZA Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach

 

Stand: 26.10.2025