Haus Nr. 8 „Das Schneidergütl mit dem Recht im Wolfsberg Degel zu graben“
1760: 1/16 Schneiderhäusl - 1808: 1/16 Schneider Hof Hs.Nr. 4 - ab 1838: 1/7 Schneidergütl Hs.Nr. 8
heute Kreuzstr. 1
Dieses Gütl gehört zu den drei alten Hafnereien in Wolferszell.
1579 besitzt ein Christoph Hafner die Sölde, welche aus Holz erbaut ist. „Dazu gehört ein Stadel und ein Stall unter einem Dach, samt Backofen und alles mittelmäßig erbaut“.1 Dafür muss er an das Kastenamt Straubing 12 Regensburger Pfennige Gilt zahlen und noch zusätzlich 24 Pfennige für das Recht am Wolfsberg Tegel zu stechen.
Alle drei ursprünglichen Hafneranwesen besitzen übrigens das Recht am Wolfsberg Tegel abzugraben.

1838 erhielt das Anwesen die Hs.Nr. 8
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatalas Uraufnahme
Als Hafner folgen auf dem Anwesen: Paul Vischer, Georg Vischer, Georg Schneider
Paul Fischer wird 1592 im Salbuch des Gotteshauses auf dem Kapflberg genannt, da er Leibgedingsweis von einer Wiese und zwei Äckern an das Gotteshaus Abgaben zu leisen hatte.2
Von Georg Schneider stammt vermutlich auch der spätere Hausname „Schneidergütl“, denn auf dem Anwesen waren Jahrhunderte Hafner ansässig und keine Schneider, wie der Name sonst vermuten lässt.
1621 verkauft Georg Schneider Hafner zu Wolferszell zusammen mit seiner ehelichen Hausfrau dem ehrbaren Hans Fuchs zu Steinach, ledigen Stand, seine Behausung samt der dazugehörigen Hafnerstatt mit aller Ein- und Zugehörung, so auf den fürstl. Kasten Straubing grundbar für 175 Gulden.3
1638 wird Michael Fux/Fuchs und seine Ehefrau Margaretha als Hafnerseheleute genannt.4
Bis 1643 finden wir von dem Ehepaar Einträge in den Steinacher Matrikel bei einer Taufe des Sohnes Markus (*07.10.1640)5 und als Taufpaten bei Kindern vom Bauern Markus Wörl6.
1650 heiratet Michael Fuchs in zweiter Ehe die Hafnerswitwe Magdalena Pachmayer von Gaishausen bei Hunderdorf und übernimmt die Hafnerei der Ehefrau in Hunderdorf.7
Von 1645 bis 1659 ist Wolfgang Eberl und seine Ehefrau Rosina Besitzer des Gütls, der allerdings das Wagner-Handwerk ausübt.
Von dem Ehepaar sind sechs Kinder bekannt, von denen das jüngste Tod geboren wird:
- Walburga (*06.1645)
- Margaretha (*20.11.1650)
- Martin (*10.11.1652)
- Georg (*24.01.1655) heiratet 1677 in Kirchroth Katharina Haimerl und lässt sich als Tagelöhner in Kirchroth nieder.
- Maria (*08.07.1657)
Um 1658 folgen als neue Besitzer die Hafnerseheleute Stephan und Maria Pachmayer (auch Pamayr, Pamer).
Stephan war vermutlich der Sohn des Hafners Mathias Pachmayer in Gaishausen bei Hunderdorf und dessen Ehefrau Magdalena, die 1650 als Witwe den oben genannten Michael Fuchs heiratete.
Bis 1663 sind sie als Hafnerseheleute in Wolferszell ansässig, dann zieht das Ehepaar nach Au vorm Wald und betreibt dort eine Hafnerwerkstätte.
In Au kommen auch acht Kinder zur Welt.

Das Wilhelm-Anwesen aufgenommen 1983
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbildverlag Bertram, München
Die Hafnersfamilie Schuhbauer
Am 14.04.1663 verkaufen Stephan und Maria Pachmayer die Erbrechtsölde an Georg und Maria Schuhbauer.8
Die Schuhbauer sind ein altes Hafnergeschlecht. Weitere Schreibweise: Schuepauer, Schurbauer, Schurhbauer, Schurinbauer, Schurpauer, Schurchbauer.
Durch Heirat gibt es viele verzweigte verwandtschaftliche Beziehungen zu anderen Hafnersfamilien.
Seit 1671 sind sie in Wolferszell ansässig und gelten damit die älteste Familie des Ortes.
Bereits 1640 werden Georg und Maria Schuhbauer in Steinach als Hafnerseheleute in Steinach Hs.Nr. 62 (Hafnerstr. 4) genannt. Nach der Übergabe der Hafnersölde in Steinach an ihren ältesten Sohn Johann, erwerben die Eltern 1663 das Hafnergütl in Wolferszell
Das Ehepaar hat drei Söhne, die alle Hafner werden:
- Johann (1642-1675) ab 1663 Hafner in Steinach Nr. 62, ab 1668 Hafner in Gschwendt Nr. 5
- Sebastian (1645-1712) ab 1668 Hafner in Wolferszell Nr. 16
- Georg (1650-1694) ab 1671 Hafner in Wolferszell Nr. 8
1671 übergeben sie die Wolferszeller Hafnerei ihrem jüngsten Sohn Georg9, der die Bäckerstochter Magdalena Stelzer von Steinburg heiratet.
Der Hauptkasten der Hafnerzunft war in Straubing. Zu dieser gehörten auch die Wolferszeller Hafner. Jedes Jahr zur Jahrtagsmesse mussten sich hier alle Hafnermeister einfinden, einen Vertreter schicken oder sich zumindest entschuldigen. Dies wurde alles im Protokollbuch der Hafnerzunft genauestens verzeichnet.10
Aus diesem Protokollbuch gehen auch die Lehrjungen des Hafnermeisters Georg Schuhbauer hervor:
- · 31.07.1679: Georg Schuhbauer erscheint zur Jahrtagsmesse und spricht seinen Lehrjungen Simon Resch von Niedersteinach nach drei Lehrjahren frei.11 Er zahlt dafür 1 Schilling 12 Pfennige.
- · Ein Jahr später stellt er seinen Neffen und neuen Lehrjungen Andreas Stelzer von Steinach vor, der 3½ Jahre lernen soll, und zahlt erneut 1 Schilling 12 Pfennige.
- · 19.03.1684: Paul (*18.01.1668), Sohn des Leinwebers Wolfgang Schmidbauer zu Steinach und dessen verstorbener Ehefrau Margaretha, geb. Wörl, beginnt eine dreijährige Lehre.
- · 16.02.1689: Michael Wintermayer (*27.09.1674), Sohn des Mathias Wintermayer und dessen Ehefrau Barbara, geb. Wenger, wird neuer Lehrjunge.
Als Georg Schuhbauer im April 1694 im Alter von 44 stirbt, war sein ältester Sohn Bartholomäus erst 21 Jahre alt.
Georg und Magdalena hatten insgesamt acht Kinder, von denen sechs das Erwachsenenalter erreichten:
- Maria (*1671) heiratet 1691 Jodokus Deblinger, Bauer in Steinach Nr. 27
- Bartholomäus, Nachfolger
- Eva (*1676)
- Susanna (*1680)
- Walburga (*1685)
- Ursula (*1687) heiratet 1710 den Hofmarksrichter Sebastian Gottfried Gaßner von Steinach
Die Meistersfamilie genießt hohes gesellschaftliches Ansehen, sodass Bartholomäus die Schloßverwalterstochter Elisabeth Brenner heiratet.

Ein Jahr später, am 01.07.1695, bittet Bartholomäus auf der Jahresversammlung der Hafner die Werkstatt des verstorbenen Vaters Georg Schuhbauer übernehmen zu dürfen und macht hierfür gleich sein Meisterstück, dass er auch besteht.
Die Sölde in Wolferszell erhält bei der Erbauseinanderteilung vorerst die Mutter, geht aber dann auf den Sohn Bartholomäus über.12
Bartholomäus hat zehn Kinder, von denen mindestens drei im Kindesalter sterben. Drei Söhne werden Hafner, eine Tochter heiratet in eine Hafnerei in Steinach ein:
- Maria Magdalena (*1695)
- Joseph (*1697) heiratet die Hafnerswitwe Regina Pummer von Wolferszell Nr. 10
- Maria Monika (*1700)
- Fran Joseph (*1702), Nachfolger
- Johann Peter (1708-1755), stirbt als lediger Hafner in Wolferszell
- Anna Margaretha (1713-1761) heiratet 1741 den Hafner Andreas Miller von Wolferszell Nr. 16
- Anna Maria (*1715)
Sohn Franz übernimmt 1739 das elterliche Anwesen und heiratet die Bauerstochter Maria Wirth von Wollersdorf bei Mitterfels.
Im Hofanlagsregister von 1760 erscheint er zusätzlich als Besitzer des Anwesens Nr. 22 (1/8 Schuhbauerngut, Chamer Str. 4). Dies musste er zwischen 1746 und 1752 erworben haben.
Das Ehepaar hat zwei Kinder:
- Joseph (*1744) Hoferbe
- Eva (*1747)
Der gleichnamige Sohn Joseph übernimmt 1764 nach dem Tod des Vaters die Hafnerwerkstätte und heiratet die Bauerstochter Katharina Spießl von Oberniedersteinach Nr. 8.
Von ihren zehn Kindern sterben mindestens drei im Kindsalter:
- Barbara (*1765)
- Johann Georg (*1767) heiratet 1800 die Hafnerstochter Maria Anna Wiesinger von Ascha Nr. 27 und übernimmt mit ihr die Werkstätte der Schwiegereltern.
- Jakob (1771-1829) heiratet 1801 in Hunderdorf die Hafnerstochter Magdalena Pachmayer von Steinburg und übernimmt die Hafnerei seiner Schwiegereltern
- Anna Maria (*1773)
- Gertrud (*1775)
- Katharina (*1777)
- Anton (*1778) Hoferbe

Der jüngste Sohn Anton übernimmt 1802 das Hafneranwesen von seinen Eltern und heiratet die Söldnerstochter Maria Magdalena Hofreiter von Steinach Nr. 21.
Die verwitwete Magdalena Schuhbauer übergibt am 11.08.1857 das Anwesen an ihren Sohn Johann, der die Bauerstochter Katharina Dietl von Neuvielreich bei Haibach ehelicht.
Am 20.03.1877 tauschen Johann und Katharina Schuhbauer das Schneidergütl mit den Immobilienhändlern Max und Amalie Groetsch und Xaver Niedermayer gegen das Haus Nr. 19 in Wolferszell.
Die neuen Besitzer verkaufen das Schneidergütl einen Monat später mit 13,6 Tagwerk Grund an Georg und Theres Luttner.
Therese ist eine Schwester der Katharina Schuhbauer.
Die Familie Luttner wohnte vorher in Steinach Hs.Nr. 34.
Dort kamen auch fünf Kinder zur Welt, von denen die ersten drei als Säuglinge verstarben:
- Philomena (*1871)
- Joseph (*1874) heiratet 1903 Elisabeth Langgartner

Die Familie Luttner bleibt bis 1891 in Wolferszell, dann verkaufen sie das Anwesen an einen Mathias Sturm und ziehen nach Hermannsdorf.
1891 erwirbt es schließlich Hilmer Johann von Bärnzell. Ein Jahr später heiratet er die Steinacher Baderstochter Helena Hagenauer. Als Helena Hilmer 1925 mit knapp 60 Jahren stirbt, erben der Witwer Johann und die Kinder Maria, Otto, Rosina und Kreszenz das Gütl.
1929 übernimmt es schließlich Tochter Rosina Hilmer, die den Maurer Joseph Schreiner von Münster heiratete.

1932 kauft es ihr Bruder Otto Hilmer ab, der es schließlich 1935 an Rupert Winterl und dessen Ehefrau Auguste, geb. Bergbauer weiterveräußert. Das Ehepaar stammte aus Schorndorf und hatte das Gschwendter Wirtshaus gepachtet.
1938 veräußern sie es wieder an den Schneidermeister Liborius Winterl und dessen Ehefrau Rosina, geb. Haberl aus Schorndorf und ziehen wieder nach Gschwendt.

1947 beginnt Sohn Liborius Winterl jun. auf dem Wolfsberg ein Haus zu errichten. und heiratet die Nachbarstochter Rosa Amberger aus Wolferszell. Nach der Heirat zieht das Ehepaar auf den Wolfsberg.
Später kommt das Haus durch Kauf an die Familie Wilhelm.
F
Das Wilhelm-Anwesen aufgenommen 1990
Foto: Familie Wilhelm, Wolferszell

Das Wilhelm-Anwesen aufgenommen 2002
Foto: Familie Wilhelm, Wolferszell
1 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing B38, Sal- und Urbarsbuch des Rentkastenamts Straubing, Band II 1579-1807, fol 150
2 Staatsarchiv Landshut, Rentkastenamt Straubing, B 124 "SaalPüech des Sanct Ursula Gotshauß aufm Khäpfl Perg Im Casstn Ambt Straubing gelegen" aus dem Jahre 1592,
3 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P38, fol. 56 Verkauf der Hafnersölde von Georg und ? Schneider Hafner zu Wolferszell an Hans Fuchs von Steinach 1621
4 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P51, fol.38‘ Kaufbrief vom Mai 1638
5 BZAR, Pfarrmatrikel Steinach, Bd.1, S.27
6 Markus Wörl war als Schneider auf dem Anwesen Hs.Nr. 5 (Kreuzstr. 9) in Wolferszell ansässig.
7 BZA Regensburg, Pfarrei Hunderdorf Bd. 2/174, S. 39
8 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P59 II, fol.276 Kauf pr. 68 fl vom 22.04.1663
9 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P61 I, fol. 54 Übergabebrief vom 16.04.1671
16.04.1671: Georg Schurpaur von Wolferszell und Maria sein Eheweib übergeben ihren freundlich lieben Sohn Georg, so ein Hafner, und Magdalena seinem Eheweib ihren, lt. Brief vom 14.04.1663 von Stephan Pachmayr erkauften Erbenrechtsölden zu Wolferszell, gem. Salbuch von 1579 fol. 150 auf den chufrtl. Kasten Urbar, weder Äcker noch Wiesen, sondern allein ein Garten ums Haus, dann ein Stadl und Backofen, um 60 Gulden und die vorhandene Hafnerszeug für 20 Gulden also zusammen um 80 Gulden. Dazu hat er Übernehmer als sein Heiratsgut gleich 40 Gulden einzubehalten und die übrigen 40 Gulden sind ohne Zins wie folgt zu entrichten: 15 Gulden dann kommenden Georgi, dann 1672 wieder 15 Gulden und zu Georgi 1673 10 Gulden. Dazu können die Übergebenden ihrer Lebzeiten im Haus in einem absonderlichen Stüber wohnen .... Zeugen: Michael Schmidbauer von Wolferszell und Georg Kägermayer von der Aichmühl
10 Stadtarchiv Straubing, Rep. II, Abt. 1dd1, Nr. 15, Protokollbuch der Hafner 1678 - 1706
11 Dieser Simon Resch war der Sohn von Resch Wolfgang und Ursula geb. Haas, Bauerseheleute von Oberniedersteinach Nr. 10. Er lässt sich später als Hafnermeister in Rattiszell nieder und machte am 07.09.1688 bei der Hafnerzunft sein Meisterstück.
12 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P 70 I, fol. 12 Vertrag vom 03.01.1696
Weitere Quellen:
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer Conservatorium Camerale 242, Neustiftbuch des Rentkastenamt Straubing 1438
StA Landshut, Rentkastenamt Straubing A1457, Salbuch Kastenamt Straubing 1497, mit Besitzer bis 1578 nachgetragen
BayHSta München, Hofkammer Ämterrechnungen Rentmeisteramt Straubing 660, Rechnung des Kasten 1512
StA Landshut, Rentkastenamt Straubing A1458, Steuerregister der Untertanen des im Pfleggerichts Mitterfels gelegenen Hofmarken 1516
BayHStA Kurbayern Hofkammer 114, Konskription des Haupkastenamts Straubing von 1752
Rentamt Straubing B138, Häuser- und Rustikalsteuerkataster Wolferszell 1808
Rentamt Straubing B139, Umschreibbuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster Wolferszell 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Agendorf von 1836
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9932, Umschreibeheft von Agendorf 1843 - 1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9935 Umschreibeheft von Agendorf 1859 - 1894
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9939 Umschreibeheft von Agendorf 1894 - 1960
BZA Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach
Stand: 14.02.2026
zusammengestellt von Claudia Heigl, März 2024
