Das Listl-Anwesen Hs.Nr. 38
1583/1623/1641: Steindlsölde – 1691: Hafnerhäusl - 1760: Haaberl Häusl –
1808: Holz Hof Hs.Nr. 3 – ab 1838 Hs.Nr. 38
heute Kirchweg 4
von Claudia Heigl
Bei diesem Anwesen im unteren Dorf handelte es sich um eine der fünf Hafnereien, die nach dem Dreißigjährigen Krieg verschwunden sind.
Im Jahr 1583 besitzt die Hafnerswitwe Margareth Scheibenkrug die „Steindlsölde“ auf Erbrecht.
Sie entrichtet eine Gilt von 1 Pfund 5 Schilling 15 Regensburger Pfennig und zahlt. wie alle Steinacher Hafner - noch zusätzlich Tegelgeld in Höhe von 5 Schilling 25 Reg. Pfennigen.1

1838 erhielt das Anwesen die Hs.Nr. 38
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas
1623 besitzt Georg Scheibenkrug die Steindlsölde auf Erbrecht.2 Das Häusl wird mit 7 Pfund Reg. Pfennige bewertet. Vermutlich ist er ein Sohn der vorgenannten Margaretha.
Den Hofbau, also die Felder, hat er aber an den Steinacher Müller Andreas Leimer verkauft, die mit 13 Pfund bewerten werden.3 1583 hatte die Mühle ein Blasius Scheibenkrug auf Freistift, also zur Pacht, besessen. Hier dürfte also eine verwandtschaftliche Verbindung bestanden haben.4
Da die Kirchenbücher von Steinach erst 1639 beginnen, sind von Georg Scheibenkruz keine Aufzeichnungen zur Familie vorhanden.
Er könnte jedoch zwei Töchter gehabt haben:
- Maria, vermutlich Hofnachfolgerin
- Eva Scheibenkrug heiratet am 31.01.1640 in Steinach Wolfgang Schöfthaler, Zimmermann in Münster. Bei der Hochzeit ist der Hafner Jakob Spießl von Steinach Trauzeuge.

Jakob Spießl wird als nächster Hafner auf dem Anwesen gennant. Vermutlich ist er mit der Tochter von Georg Scheibenkrug verheiratet.Von ihm und seiner Ehefrau Maria ist ein Kind in Steinach getauft:
- Maria (*12.04.1640)
Einen Tag vor der Geburt seiner Tochter stirbt der Hafner Jakob Spießl an „Gries Stein“ und die Witwe Maria heiratet 1641 den ledigen Hafner Joachim Amerling aus der Stadt Eschenbach in der alten Pfalz.
Drei Kinder kommen in der Ehe zur Welt.
- Maria (1642-1644)
- Simon (1645-1649)
- Katharina (*01.09.1648) heiratet 1673 in Steinach den ledigen Richter Mathias Premer von Haunkenzell, später wird der Richter in Schönstein b. Stallwang
Joachim Amerling (auch Ämerling) ist eine geachtete Person in Steinach, der es zum Wohlstand bringt.
1654 hat er das ehrenvolle Amt eines Kirchenprobstes inne und 1659 betreibt er das Hofmarks-Wirtshaus in Steinach.
1674 stirbt der 60-jährige als Hofwirt. Auf das Wirtshaus kommt der Münsterer Kramer Georg Pämer.
aufgenommen 1936
Der kleine Weiher rechts neben dem Haus wurde zugefüllt
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Auszug aus einerAnsichtskarte
Ab 1659 keine Hafnerei mehr
Auf der „Steindlsölde“ wird der Vorsteher des Schloßgutes Steinach, Georg Häberl, als Nachfolger genannt.
Georg und Maria Häberl haben sechs Kinder von denen vermutlich nur zwei das Erwachsenenalter erreichen:
- Eva (*13.05.1679
- Eva (*21.05.1676)
- Maria (*24.01.1678) heiratet 1705 den Häusler u. Tagelöhner Adam Holmer von Steinach Nr. 50
- Paul (*14.11.1680)
- Eva (*02.02.1684) Hofnachfolgerin
- Barbara 8*01.05.1688)
1708 heiratet die Tochter Eva den Bauerssohn Thomas Hien von Pellham.
Sechs Kinder kommen in der Ehe zur Welt.
- Maria Magdalena (1708-1764) heiratet 1734 den Tagelöhner Johann Michael Hitzinger von Steinach Nr. 33
- Johann (*1713) heiratet 1736 die Bauerstochter Elisabeth Kottbauer von Dunk. Er ist als Tagelöhner in Dunk und Aign in den Kirchenbüchern verzeichnet.
- Jakob (1716-1769), Hoferbe
- Walburga (*1719) als Kind verstorben
- Maria Anna (*1720) als Kind verstorben
- Maria (*1722) heiratet 1749 den Häusler Joseph Zollner von Steinach Nr. 34

Sohn Jakob Hien übernimmt das Anwesen. Er ist mit der Tagelöhnerstochter Katharina Holzer von Agendorf verheiratet.
Das Ehepaar hat eine Tochter, die in Agendorf geboren wird. Bei ihrer Taufe wird Jakob noch als Tagelöhner in Agendorf bezeichnet:
- Anna Maria (*1745), heiratet 1769 Mathias Luttner von Steinach Nr. 34
Das Anwesen wird wohl nach der Hochzeit der Tochter an Katharinas Bruder August Holzer verkauft.
August ist seit 1737 mit der Tagelöhnerstochter Magdalena Grimm verheiratet.
Das Ehepaar hat sechs Kinder, von denen zwei im Kindsalter sterben:
- Johann Michael (*1741) heiratet 1769 die Bauerstochter Anna Maria Thanner von Kapflhof und lässt sich als Häusler in Steinach Nr. 22 nieder.
- Maria (1744)
- Joseph (1745-1803), Hoferbe
- Johann Georg )*1752)
- Ursula (*1763)
Sohn Joseph übernimmt 1774 das Häusleranwesen und heiratet Magdalena Zink.
Magdalena ist die uneheliche Tochter des Steinacher Bauern Thomas Zink und Anna Maria Haas von Rattiszell.
Fünf Kinder kommen in der Ehe zur Welt, von denen eine Tochter als Säugling stirbt:
- Joseph (*1775) heiratet 1820 die Häuslerswitwe Magdalena Soller von Münster Nr. 37
- Anna Maria (*1778), Hoferbin
- Katharina (1781-1852) heiratet den Weber Sebastian Echinger von Steinach Nr. 36
- Johann (*1784)

Tochter Anna Maria übernimmt das Anwesen und ehelicht den Halbbauerssohn Georg Wartner von Rammersberg.
Aus der Ehe gehen fünf Kinder hervor, von denen jedoch nur zwei Töchter das Erwachsenenalter erreichen:
- Therese (1811-1872), Hoferbin
- Walburga (1816-1892) heiratet 1843 den Bauern Jakob Hien von Steinach Nr. 29
1842 übernimmt Tochter Therese mit ihrem Bräutigam Georg Wurst den Hof. Georg ist der uneheliche Sohn des Wagners Joseph Wurst von Steinach Nr. 44 und Häuslerstochter Anna Maria Luttner (1781-1862) von Steinach Nr. 34.

Ihr einziges Kind Maria übernimmt 1868 das Häusleranwesen mit 4 Tagwerk Grundbesitz und ehelicht Josef Sieber von Steinach Nr. 26.
Aus der Ehe geht eine Tochter hervor:
- Maria (1880-1935) heiratet 1901 Joseph Nickl, Postschaffner in Steinach Nr. 51
Als die 36-jährige 1885 stirbt, heiratet der Witwer die Söldnerstochter Katharina Prommersberger von Gschwendt Nr. 1.
Es kommen nochmals zwei Mädchen zur Welt, von denen nur Tochter Franziska (*1895) überlebt.

Das Sieber-Anwesen aufgenommen 1919
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach
1919 übernimmt Franziska Sieber, Tochter aus der zweiten Ehe, das Anwesen und heiratet den Müllerssohn Joseph Hartberger von der Aichmühl.
Das Ehepaar bekommt vier Kinder, drei Söhne und eine Tochter.
- Ludwig (*1917), vermisst im 2. Weltkrieg
- Josef (1920-1944), gefallen mit 24 Jahren
- Karl (1924-1943), gefallen mit 19 Jahren
- Karolina (1930-2022)
Die Familie trifft ein schweres Schicksal. Alle drei Söhne müssen im 2. Weltkrieg ihr Leben lassen.
Als Wachtmeister Gunkel mit der Todesnachricht des dritten Sohnes auf den Hof kommt, jagte ihn Joseph Hartberger mit der Mistgabel vom Hof.

Tochter Karolina übernimmt 1954 den Hof und heiratet den Söldnerssohn Ferdinand Listl von Oberalteich.
aufgenommen 1960
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbildverlag Bertram, München

1974 wurde das Haus neu erbaut
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbildverlag Bertram, München

aufgenommen 1980
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbildverlag Bertram, München
1 Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“
2 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
3 StA Landshut, Landschaft Unterlands Bd 1183, Steuerregister der Hofmarksuntertanen Steinach 1623
4 Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“
Weitere Quellen:
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Stiftregister der Hofmark Steinach 1691
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127), Umschreibehefte zum Urkataster der Gemarkung Steinach 1843 - 1960, Sig.17/42-4, 17/42-7, 17/42-11
BZA Regensburg, Pfarrmatrikel Steinach
Stand: 20.02.2026
