Das Sieber-Anwesen Hs.Nr. 69
1583: Hafnersölde - 1623: Miller Sölde – 1641: Hafnersölde – 1691/1699: Das obere Hafnerhaus -
1760: Bünter Häusl – 1808: Dirlinger Hof Hs.Nr. 16 – ab 1838 Hs.Nr. 69
heute Hafnerstraße 14
von Claudia Heigl
Auch bei diesem Anwesen handelte es sich um eine uralte Hafnerei.
Im Jahr 1583 besitzt der Hafner Erasmus die Hafnersölde auf Freistift. Sie entrichtet eine Gilt von 2 Schilling 5 Regensburger Pfennig und zahlt . wie alle Steinacher Hafner - noch zusätzlich Tegelgeld in Höhe von 5 Schilling 25 Reg. Pfennigen.1

Das Sieber-Anwesen aufgenommen 1954
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach
1623 ist Balthasar Ziflinger als Hafner auf dem Haus ansässig.2 Das Häusl wird mit 5 Pfund Reg. Pfennige bewertet.3
Auch die Ziflinger sind eine alte Hafnersfamilie, die ihren Ursprung wohl auf der „Ziflinger-Sölde“ (alte Hs.Nr. 52, heute August-Schmieder-Str. 35, Prechtl) haben.
1623 gibt es drei Ziflinger als Hafner in Steinach – Hs.Nr. 44 und Hs.Nr. 50.
Sein Sohn, ebenfalls Balthasar genannt, erwirbt am 30.11.1621 eine Sölde in Wolferszell (alte Hs.Nr. 10, heute Chamer Str. 9).4
1647 wird der Hafner Simon Miller auf dem Anwesen genannt, der mit einer Ursula verheiratet ist.
Drei Kind sind von dem Ehepaar bekannt. Taufpaten der Kinder sind Bartholomäus und Katharina Ziflinger von Wolferszell. Möglicherweise stammte die Mutter Ursula ebenfalls aus der Familie Ziflinger.
- Katharina (*30.07.1647)
- Bartholomäus (*12.05.1650)
- Simon (*21-10-1653), Hoferbe
1685 übernimmt Sohn Simon das Anwesen und heiratet die Schullehrerstochter Maria Dierlinger. Ihr Vater Johann Dierlinger, bekleidet das Amts des Schullehrer in Steinach und stammt ebenfalls aus einer Steinacher Hafnersfamilie.
Das Ehepaar hat sechs Kinder:
- Christopher (*1685-1755), Hoferbe
- Mathias (*1686)
- Simon (*1689) heiratet 1712 die Hafnerswitwe Ursula Schuhbauer, geb. Spießl von Wolferszell Nr. 16 und übernimmt die Hafnerei seiner Ehefrau
- Maria (*1691)
- Michael (*1692)
- Katharina (*1695)
Sohn Simon übernimmt 1711 die Hafnerei vom Vater und ehelicht die Bauerstochter Maria Deblinger von Steinach Nr. 27.

Hafnersfamilie Dierlinger
Um 1718 tauschen Simon und Maria Deblinger ihr Anwesen in Steinach mit dem Hafneranwesen des Johann Dierlinger in Gschwendt Nr. 5.
Simon und Maria Deblinger haben insgesamt zehn Kinder, von denen zwei im Kindsalter sterben:
Die ersten fünf werden in Steinach geboren, die weiteren fünf in Gschwendt:
- Mathias (*1712)
- Maria (*1713)
- Joseph (1715-1766) heiratet 1743 in Ascha die Hafnerswitwe Maria Eva Wiesinger, geb. Spießl von Ascha und übernimmt die Hafnerei seiner Ehefrau in Ascha Nr. 27
- Simon (1716-1785) heiratet 1754 die Hafnerswitwe Maria Martha Lankes, geb. Weidinger von Steinach Nr. 62 und übernimmt die Hafnerei seiner Ehefrau.
- Maria (1718-1764) heiratet 1744 den Schneider u. Mesner Nikolaus Kiefel von Gschwendt
- Anna (*1719) als Kind verstorben
- Katharina (*1720)
- Anna Maria (*1726) als Kind verstorben
- Anna Maria (*1727) heiratet 1760 den Maurer Wolfgang Steinbiller von Wiesenfelden und wird mit ihrem Ehemann in Gschwendt ansässig.
- Joseph (1730-1772), übernimmt die elterliche Hafnerei in Gschwendt Nr. 5
Johann Dierlinger könnte ebenfalls ein Sohn des Steinach Schullehrer Johann Dierlinger gewesen sein.
Er ist insgesamt dreimal verheiratet und wird Vater von 17 Kinder, die alle in Gschwendt geboren werden.
Ca. 1676 heiratet er die Hafnerswitwe Ursula Schuhbauer, geb. Rothamer von Gschwendt Nr. 5.
Mit ihr hat er drei Kinder:
- Antonia (*08.01.1677)
- Adam (*11.05.1678)
- Bartholomäus (*23.08.1679)
In zweiter Ehe vermählt er sich mit der Hopfenhändlers- und Bauerstochter Ursula Stubenhofer von Gschwendt.
Aus dieser Ehe gehen nochmals sieben Kinder hervor, von denen mindestens eines im Kindsalter stirbt:
- Maria (*11.03.1684)
- Anna Maria (*+1685)
- Maria (*05.01.1687)
- Ursula (*31.01.1689)
- Anna (*18.02.1691)
- Anna (*15.01.1693)
- Adam (*02.04.1694)
In dritter Ehe heiratet er schließlich die Bauerstochter Rosina Klein von der Wurzersölde in Steinach.
Sie bringt nochmals sieben Kinder zur Welt.
- Barbara (*11.11.1696)
- Walburga (*09.04.1698)
- Georg (*18.06.1700), Hoferbe
- Adam (*24.11.1702)
- Johann (*06.05.1704)
- Johann (*21.11.1706)
- Mathias (*02.09.1711)
Um 1718 ziehen Johann und Rosina Dierlinger nach Steinach.
1722 übergeben sie das Steinacher Hafneranwesen an ihren Sohn Georg. Dieser heiratet 1722 die Tagelöhnerswitwe Walburga Geiger, geb. Bielmeier von Agendorf, die vom Grubhof bei Bogen stammt.
Aus ihrer ersten Ehe bringt Walburga eine Tochter mit:
Katharina Geiger (*1714) heiratet 1746 Sebastian Bachmaier von Steinach Nr. 48
Aus der Ehe mit Georg Dierlinger gehen nochmals vier Kinder hervor.
- Anna Maria (*1723) als Kind verstorben
- Joseph (*1724)
- Johann *1726), Hoferbe
- Walburga (*1729) heiratet 1760 in Ascha den Bauerssohn Vitus Holmer von Ascha
Um 1747 übernimmt Sohn Johann die Hafnerwerkstatt und heiratet die Kramerstochter Katharina Berger von Steinach Nr. 55.
Fünf Kinder kommen in der Ehe zur Welt:
- Johann Michael (*1748), Hoferbe
- Anna Maria (*1752)
- Franz (*1754)
- Magdalena (*1757)
- Johann (*1759)
Zwei Tage nach der Geburt des jüngsten Kindes stirbt die 34-jährige Hafnerin. Johann geht fünf Monate später erneut eine Ehe mit der Bauerstochter Elisabeth Leiderer von Niedermenach ein, die kinderlos bleibt.
Das Anwesen übernimmt 1787 der älteste Sohn Johann Michael, der ebenfalls Hafner ist.
Bereits zuvor ist er Vater von zwei unehelichen Kindern:
- Katharina Dierlinger (*1777), Mutter: Müllerstochter Katharina Probst von der Holzmühle
- Thomas Dierlinger (*1779), Mutter: Schmiedstochter Katharina Burger von Gossersdorf
Nach der Übernahme heiratet Johann Michael Dierlinger die Bauerstochter Anna Maria Geith von Kienberg.
Sie bringt ebenfalls zwei uneheliche Kinder mit in die Ehe, deren Vater der Bader Ferdinand Ring von Ascha ist:
- Anna Maria Ring (*1784) Hoferbin
- Joseph Ring (1786-1865), heiratet 1821 die Hafnerstochter Magdalena Mayerhofer von Wolferszell Nr. 10 und übernimmt mit ihr die Hafnerei in Wolferszell.
1788 wird ein weiterer Sohn geboren, der den Namen Johann Michael erhält.
Das Hafneranwesen in Steinach übernimmt Tochter Anna Maria Ring. Sie heiratet 1810 den Hafner Joseph Schützinger von Deggendorf.
Vier Kinder kommen in der Ehe zur Welt, von denen nur eine Tochter überlebt:
- Anna Maria (1812-1840)

Im April 1818 verkaufen Joseph und Anna Maria Schützinger das Hafneranwesen in Steinach und erwerben hierfür das Hafneranwesen in Wolferszell Nr. 16.
Käufer ist Thomas Ring, der ein Onkel der Anna Maria Schützinger, geb. Ring und Bruder des Baders Ferdinand Ring von Ascha.
Thomas Ring hatte bereits 1794 die Bauerstochter Maria Theresia Hartinger von Steinach Nr. 24 geheirate. Zunächst arbeitet er als Maurer in Steinach und wohnt mit seiner Familie in einem selbst erbauten Haus im unteren Dorf nahe dem Ziegelstadel (heute Wittelsbacher Straße 3).
Das Ehepaar hat sieben Kinder, von denen zwei im Kindsalter sterben:
- Anna Maria (*1780) heiratet 1806 den Häusler Johann Haseneder von Steinach Nr. 46
- Georg (*1785)
- Theresia (*1791)
- Joseph (1795-1877), Hofnachfolger
- Johann Baptist (*1799) heiratet 1827 in Hunderdorf die Steinacher Häuslerstochter Katharina Schildmayer und lässt sich in Hunderdorf als Hafner nieder.
1822 übernimmt Sohn Joseph Ring das Anwesen und heiratet die Metzgerstochter Anna Maria Wegerer von Steinach.
Das Ehepaar hat drei Kinder:
- Anna Maria (*1819)
- Joseph (1820-1868)
- Maria Theresia (*1827)
1858 übernimmt Sohn Joseph das Anwesen zum Anschlag von 1.000 Gulden vom Vater und ehelicht Katharina Heilmaier von Landau a.d. Isar.
Katharina hat bereits zwei vorehelich geborene Söhne im Alter von 16 und 14 Jahren von ihm, die beide in Landau a.d. Isar geboren wurden. Aufgrund der damaligen Gesetzgebung konnte das Paar nun heiraten, da Joseph ein Immobilienvermögen hatte. (siehe hierzu auch Ansässigmachungsgesetz)
- Joseph (1842-1889)
- Anton (*30.05.1844) heiratet 1869 Therese Penker
1869 übergibt die Witwe Katharina Ring das Hafneranwesen an ihren Sohn Joseph Ring, der ebenfalls als Hafner tätig ist.
Einen Teil des Gartens teil sie ab und übergibt ihn an ihren jüngeren Sohn Anton, der darauf einen Neubau errichtet (Hs.Nr. 69 ½, heute Schwanzer)

Quelle: Vermessungsamt Straubing Ortskarte Steinach Nr. 187b
Joseph heiratet die Nachbarstochter Helena Schuster, die auch als Hebamme in Steinach tätig ist.
Sie bringt acht Kinder zur Welt, von denen keines älter als zweieinhalb Monate wird.
1886 stirbt Helena im Alter von 45 Jahren an einer Nervenlähmung.
Der Witwer geht 1888 erneut eine Ehe mit der Hafnerswitwe Theresia Dietl von Rattiszell ein.
Ein Jahr später stirbt auch Joseph Ring an einem Lungenleiden. Der Pfarrer vermerkt im Sterbebuch: „mußte vieles in einer schmerzlichen Krankheit erleiden.“
Mit dem Tod des Hafners Joseph Ring endet auch das jahrhundertalte Hafnergewerbe auf diesem Anwesen.
Die Witwe Theresia Ring heiratet in dritter Ehe den Kramerssohn Franz Xaver Unger von Wolferszell Nr. 22 ½.
Nach ihrem Tod nimmt Franz Xaver 1915 die Witwe Theresia Luttner, geb. Högerl, zur Ehefrau. die als Einwohnerin in dem Haus lebt.
1922 übergibt Franz Xaver Unger das Anwesen an seine uneheliche Tochter Kreszenz Straßmeier. Sie heiratet den Söldnerssohn Ludwig Lehner von Weingarten bei Mitterfels.
Zwei Kinder kommen in der Ehe zur Welt, von denen ein Sohn im zweiten Weltkrieg vermisst bleibt.
Ludwig Lehner ist von 1948 bis 1966 Bürgermeister in der Gemeinde Steinach.

Ludwig Lehner
von 1948 bis 1966 Bürgermeister in Steinach
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach

Das Anwesen übernimmt Tochter Kreszenz Lehner (1928-2002), die 1963 Ludwig Sieber (1923-1987) von Steinach Nr. 16 zum Ehemann nimmt.

aufgenommen 1973
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Dias Pfarrer Ludwig Dotzler
1 Schlicht Josef, Die Geschichte von Steinach, 1908, „Stift-, Kasten- und Salbuch über Schloß und Hofmarch Steinach 1583“
2 Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Untertanen der Hofmark Steinach 1623
3 StA Landshut, Landschaft Unterlands Bd 1183, Steuerregister der Hofmarksuntertanen Steinach 1623
4 Stadtarchiv Straubing, Salbuch Gschwendt 1630, fol. 495
Weitere Quellen:
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Gilt und Ausstandregister der Untertanen zu Steinach 1641
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Stiftregister der Hofmark Steinach 1691
Archiv für Heimatgeschichte Steinach, Landsteuer der Hofmark Steinach 1699
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 248, Konskription der Untertanen der Hofmark Steinach 1752
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer, Hofanlagsbuchhaltung Band 514, Hofanlagsbuch der Hofmark Steinach 1760
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1808
StA Landshut, Rentamt Straubing B79, Umschreibebuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster d. Steuerdistriktes Münster incl. Steinach 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Steinach von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127) 10579, Umschreibehefte zum Urkataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 1 – 72, 1843-1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10583, Umschreibehefte zum 1. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 56 - Ende, 1859 – 1906
StA Landshut, Grundsteuerkataster (Rep.127 10587, Umschreibehefte zum 2. Renov. Kataster der Gemarkung Steinach Hs.Nr. 66-Ende, 1906 – 1960
BZAR Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach
Stand: 08.02.2026
