Haus Nr. 20 „Nebenhaus“ des Jägerhofes in Wolferszell

 

heute Mühlenweg 4

 

von Claudia Heigl

 

 

 

Bei diesem Anwesen handelt es sich um das ehemalige Nebenhaus des sogenannten Jägerhofes (später Schuhbauer) in Wolferszell.

Als der Bauer Michael Hartberger im Jahr 1834 den Jägerhof an Mathias Zollner verkauft, veräußert er das Nebenhaus mit etwas Grundbesitz separat an den Wolferszeller Kramer Joseph Wiesmüller.

 

 

uraufnahme

Der Jägerhof hatte ab 1838 die Hs.Nr. 19, das Nebenhaus erhielt die Hs.Nr. 20
Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

Wiesmueller Besitzer

 

Wiesmüller verkauft es mit 11 Tagwerk Grund am 1855 wieder an den Nachbarn Mathias Zollner. Damit kommen die Grundstücke wieder zum Jägerhof hinzu.

 

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Das Haus aufgenommen 1960
Bild: Familie Thomas, Wolferszell

 

Bei der Versteigerung des Jägerhofes am 04.05.1868 wird das Nebenhaus erneut separat versteigert.

Alois Stegbauer, Inwohnerssohn von Niedersteinach, erhält mit einem Meistgebot von 605 Gulden den Zuschlag.

 

Am 29.10.1870 verkauft er das Haus an seine Schwester Maria, die mit dem Schneiderssohn Xaver Freundorfer verheiratet ist. Xaver arbeitet, wie bereits sein Vater, als Schneider und stirbt am 07.08.1901 im Alter von 66 Jahren an einer Magenverhärtung.

 

Stegbauer Freundorfer Besitzer

 

Nach dem Tod von Xaver Freundorfer verkauft die Witwe Maria Freundorfer 1907 das Haus an Rupert und Franziska Schuster und zieht mit ihrem Schwiegersohn Alois Grüneisl in das „Müllergut“ Hs.Nr. 16. Dort stirbt sie im Alter von 77 Jahren am 02.01.1915 an Altersschwäche.

Rupert Schuster stammt von Steinach und ist als Baumann im Schlossgut Steinach tätig. 

Aus der Ehe mit der Gütlerstochter Franziska Renner von Geraszell gehen 14 Kinder hervor.


Darunter befindet sich eine seltene Drillingsgeburt, bei der alle drei Kinder die Geburt überleben:
- Jakob (*1901)
- Rupert (1905-1943)
- Karl (*1906)
- Ludwig (*1907)
- Otto (*1908)
- Maria (*1909)
- Xaver (*1911)
- Franziska (*1913)
- Karolina (*+1915), stirbt mit zwei Monaten
- Josef (*1916)
- Maximilian (*+1918) stirbt mit neun Tagen
- Lorenz (1919-1920), Drillingskind stirbt mit vier Monaten an Brustkatharr
- Stephan (1919-2003), Drillingskind, Landwirt in Steinach Nr. 87
- Johann (1919-1941), Drillingskind

Nach dem Tod seiner 40jährigen Ehefrau heiratet der Witwer die Kramerstochter Katharina Landstorfer von Zinzenzell.
Aus der Ehe gehen nochmals fünf Kinder hervor, die alle das Erwachsenenalter erreichen:
- Katharina (1923-1999), Hoferbin
- Rosa (*1925)
- Max (*1927)
- Alfons (*1932)
- Maria Anna (*1939)

 

Schuster Besitzer

 

Das Anwesen übernimmt schließlich im Jahr 1956 die Tochter Katharina, die mit Otto Thomas verheiratet ist.

 

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Später wurde das alte Wohnhaus aufgestockt.
aufgenommen 1983
Bild: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbildverlag Bertram

 

 

Quellen:
Rentamt Straubing B139, Umschreibbuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster Wolferszell 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Agendorf von 1836
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9932, Umschreibeheft von Agendorf 1843 - 1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9935 Umschreibeheft von Agendorf 1859 - 1894
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9939 Umschreibeheft von Agendorf 1894 - 1960
BZA Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach

 

veröffenlticht: 07.10.2026

 

Der Jägerhof Hs.Nr. 19 in Wolferszell

 

1760: Jägergut – 1808: ½ Jäger Hof Hs.Nr. 14 – 1838: Jägerhof Hs.Nr. 19

heute Mühlenweg 6

 

 von Claudia Heigl

 

Bei diesem Hof handelte es sich um eine uralte Besitzung des Herzogs von Bayern.

1579 hatte ein Michael Haß Erbrecht auf den Hof aufgrund eines fürstlichen Erbbrief von Herzog Albrecht in Bayern aus dem Jahr 1438.1
Zum Hof gehörte eine hölzerne Behausung, ein Stadl mit einer Tenne, Stall und ein Backofen, alles mittelmäßig erbaut. Davon dient Michael Haß an den Kasten Straubing jährlich mit 1 Pfund 1 Schilling 6 Regensburger Pfennige und 4 Regensburger Pfennige Stift.

 

uraufnahme

 Der Hof erhielt 1838 die Hs.Nr. 19
Das Nebenhaus die Hs.Nr. 20
Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

Als weiterer Besitzer folgen  Georg Aigmair und dessen Ehefrau Margaretha.

 Aigmaier Besitzer

 

Als Georg Aigmair stirbt heiratet seine Witwe einen Johann Schmidbauer. Dieser könnte auch identisch gewesen sein mit dem Inhaber des Erbrechts auf dem Bachlhofes Nr. 3 (heute Gasthaus Schmid) in Wolferszell.

1632 quittierte Magdalena, weil. Georgen Aigmaires von Wolferszell und Margaretha seiner Hausfrau beide sel., nachgelassene Tochter anjetzt Georgen Kramers zu Rattiszell Ehewirtin ihren gewesenen Vormund Hans Aigmair zu Innersteinach nunmehr sel., stattdessen seiner hinterlassenen Witwe Barbara und ihrem Stiefvatern Hans Schmidbauer zu Wolferszell den Empfang von 135 Gulden 44 Pfennige 3 Heller.2

Als 1633 erstmals die Schweden einfallen, flüchtet Schmidbauer wohl in das sichere Straubing.
Am 02.07.1634 stirbt er dort an der zu dieser Zeit herrschenden Pest.3

Der Hof schien von den schwedischen Soldaten geplündert und verlassen gewesen sein.
1638 verkaufen die beiden Kirchenpröbste, der Hafner Bärtlme Ziflinger von Wolferszell und Simon Rothamer von Rotham, den verlassenen, und aufgrund der Schulden „heimbeschlagnen“ Hof zu Wolferszell um 250 Gulden an Mathias Jäger und dessen Ehefrau Walburga.4

Das Ehepaar hat mindestens vier Kinder:
- Sabina heiratet 1660 in Oberalteich Andreas Erndl, Bauer in Obermenach
- Sebastian (*18.01.1641 in Wolferszell)
- Leonhard (*27.04.1642 in Wolferszell) heiratet 1666 in Steinach die Bauerstochter Margaretha Neumayer von Frommried und wird dort Bauer
- Magdalena heiratet 1663 in Steinach Michael Aumüller, Müller auf der Stegmühl b. Oberalteich u. später Müller in Steinburg

 

Jaeger Besitzer

 

Ca. 16445  verkaufen Mathias und Walburga Jäger den Hof an Wolfgang und Ursula Holmer (ältere Schreibweise Halmayer) und ziehen nach Unterhartberg, wo Walburga am 01.02.1649 auch stirbt.

Die Herkunft von Wolfgang und Ursula Holmer ist nicht bekannt.

Zwei Töchter und ein Sohn können Wolfgang Holmer zugeordnet werden:6
- Katharina heiratet 1644 Georg Fuchs von Steinach
- Dorothea
Sohn Wolfgang wird am 05.05.1646 in Wolferszell geboren, hier ist die Mutter nachweislich Ursula.7

1649 stirbt Wolfgang und die Witwe Ursula geht erneut eine Ehe mit Wolfgang Huber von Dünzling ein, in der Sohn Adam zur Welt kommt.

1674 übernimmt Adam Huber den Hof von seinen Eltern. Dazu gehören „zwei schlechte Roß, ein Wagen, ein Pflug, ein Eggen, 2 Ochsen, 2 Steorl (junge Rinder), 2 Kühe, 2 Kälber und andere Baufahrnis.
Seine Stiefschwester Dorothe bekommen 32 fl 19 kr 5 hl und seine Stief- und  eheleiblichen Brüder Andre und Matthesen miteinander zu gleichen Teilen 52 Gulden.“8

Adam Huber ist in erster Ehe mit einer Helena verheiratet.
- Ein Sohn Lorenz (*1675) heiratet 1714 die Mesnerstochter Maria Katharina Hohbauer vom Kapflberg und wird dort Mesner.


In der zweiten Ehe mit einer Maria kommen sechs Kinder zur Welt:
- Andreas (*+1677)
- Elisabeth (*1679)
- Anna (*+1683)
- Anna (1685)
- Elisabeth (*1692)
- Wolfgang (*1693)

In dritter Ehe mit Maria Hien von Rotham kommt Sohn Adam Andreas zur Welt, der auch Hoferbe wird.

1714 heiratet er die Bauerstochter Magdalena Geier von Kößnach.
Das Ehepaar hat sieben Kinder:
- Johann Joseph (*1715)
- Johann (1716-1786)
- Maria Anna (*1718)
- Magdalena (*1719)
- Johann Adam (*+1721)
- Maria Katharina (*+1722)
- Ursula (*1727)

Sohn Johann übernimmt ca. 1736 den Hof von der Mutter und heiratet die Bauerstochter Maria Schwarzensteiner von Riglberg.
Das Ehepaar bekommt drei Kinder:
- Andreas (*+1737 in Wolferszell)
- Andreas (1738-1739 in Wolferszell)
- Anna Maria (*1743 in Münster)

 

Holmer Besitzer

 

1740 tauscht Familie den Hof mit Adam und Jakobe Dietl und ziehen nach Münster Nr. 13

Adam und Jakobe haben insgesamt drei Kinder:
- Jakob (*1738 in Münster), Hoferbe
- Magdalena (*+1741 in Wolferszell)
- Mathias (*1743 in Wolferszell)

1742 stirbt der 47-jährige Bauer und Witwe geht erneut eine Ehe mit dem Halbbauerssohn Johann Georg Färber von Münster Nr. 1 ein.
In der Ehe kommt nochmals eine Tochter Apollonia zur Welt, die jedoch mit 2 ½ Monaten stirbt.

Hoferbe wird 1762 der älteste Sohn Jakob Dietl. Als Bäuerin holt er sich die Bauerstochter Maria Magdalena Zeindlmeier von Agendorf auf den Hof.

In der Ehe kommen sieben Kinder zur Welt:
- Johann Michael (*+1764)
- Johann Michael (*1765), Hoferbe
- Joseph (*1768)
- Anna Maria (*1770)
- Katharina (*1772)
- Jakob (*1775)
- Mathias (*1779)

1811 übergeben die Eltern den Hof an ihren ältesten Sohn Johann Michael, der die Bauerswitwe Maria Anna Hartberger von Steinach Nr. 24 zur Ehefrau nimmt.
Maria Anna bringt zwei Söhne mit in die Ehe:
- Johann Georg Hartberger (*1803)
- Michael (*1805)

Da die Ehe mit Johann Michael Dietl kinderlos bleibt, übernimmt Michael Hartberger nach dem Tod des Stiefvaters 1822 den Hof von seiner Mutter.

Vier Jahre später heiratet er die Bauerstochter Anna Dietl von Steinach Nr. 17.
In der Ehe kommen zwölf Kinder zur Welt, von denen nur sechs das Erwachsenenalter erreichen:
- Anna (*1827 in Wolferszell)
- Franziska (*1832 in Wolferszell)
- Johann Baptist (*1833 in Wolferszell)
- Michael (1834-1893), stirbt unverheiratet mit 59 Jahren an einem Lungenleiden a.d. Aichmühl
- Karolina (1836-1876) stirbt unverheiratet mit knapp 40 Jahren an einem Herzschlag i.d. Aichmühl
- Therese (*1839)

 

Dietl Besitzer

 

 

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 aufgenommen im April 1983
Quelle: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbildverlag Bertram, München

 

 

Der „Rest des zertrümmerten Jägerhofes“

Nachdem Michael und Anna Hartberger ein paar Äcker an Martin Zeilmair von Gschwendt verkauft haben, veräußern sie die Hofstelle mit 69 Tagwerk Grund am 11.08.1837 um 2.800 Gulden an Mathias und Therese Zollner von Gschwendt und kaufen dafür die Aichmühle.

Das Nebenhaus des Hofes verkaufen die Hartbergers mit ein paar Wiesen und Äckern an den Wolferszeller Kramer Joseph Wiesmüller. Es erhält später die Hs.Nr. 20.

Mathias und Therese Zollner waren vorher in Gschwendt Hs.Nr. 4 ansässig gewesen.

Das Ehepaar hat zehn Kinder, von denen sechs im Kindsalter sterben:
- Johann Baptist (*1819), Hoferbe
- Therese (*1825) heiratet 1846 in Parkstetten den Bauern Joseph Bachl von Bärnzell Nr. 2
- Katharina (*1827)
- Franziska (*1830) heiratet 1855 in Steinach den Bauern Jakob Gierl von Dunk

Als sich die Gelegenheit bietet kaufen Mathias und Therese Zollner 1855 auch das Nebenhaus Hs.Nr. 20 mit 11 Tagwerk Grund wieder zurück.

1850 übergeben sie den Hof an ihren Sohn Johann Zollner, der die Gütlerstochter Katharina Dengler von Münster Hs.Nr. 40 heiratete.  

Bei der Geburt ihres ersten Kindes Anna stirbt Katharina im Alter von 25 Jahren. Ihre kleine Tochter wurde auch nur zehn Tage alt. Der Witwer geht vier Monate später erneut eine Ehe mit der Söldnerstochter Therese Meier von Agendorf ein.
Aus der Ehe gehen wieder zehn Kinder hervor, von denen jedoch nur drei das Erwachsenenalter erreichen:
- Theresia (*1855)
- Anna Maria (*1857) heiratet 1916 in Oberalteich Franz Xaver Barein
- Katharina (*1860)

 

Zollner Besitzer

 

 

Nach 18 Jahren kommen die Zollners in finanzielle Schwierigkeiten und der nun 77 Tagwerk große Hof wird 1868 an Andreas Raab um 8.625 Gulden versteigert.

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 Die Bekanntmachung der Versteigerung im Straubinger Tagblatt am 19.02.1868

 

 

 Johann Zollner stirbt 1874 an einem Schlaganfall auf dem Nachhauseweg.
Die beiden Zeitungsberichte zeigen damit, wie unterschiedlich ein und dasselbe Ereignis in der damaligen Presse dargestellt werden konnte.

Todesanzeige png

 

 

 

 

Das ehemalige Nebenhaus mit dem Zubaugütl wird separat an einen Alois Stegbauer verkauft.

Die Herkunft von Raab ist unbekannt. Bei der Taufe des Sohnes Ludwig (*1874) wird als seine Ehefrau eine Katharina Haas, Bauerstochter von Großenpinning, angegeben.
Acht Jahre später tauschten die Haas‘ ihren Besitz am 30.12.1876 mit den Immobilienhändlern Groetsch Max u. Amalie und Xaver Niedermayer, gegen das Anwesen Nr. 54 und 56 in Seibersdorf.

 

Raab Besitzer

 

Drei Monate später, am 20.03.1877 tauschten Immobilienmakler das Haus wieder mit Johann Baptist und Katharina Schuhbauer von Wolferszell Haus Nr. 8
Die Händler Groetsch/Niedermayer tauschten bzw. verkauften in kurzer Zeit die Höfe Nr. 8 und 19 in Wolferszell und splitterten dabei Grundstücke ab und verkauften diese separat.

 

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  aufgenommen im April 1983
Quelle: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbildverlag Bertram, München

 

1881 stirbt Johann Schuhbauer mit 55 Jahren und seine Witwe übergibt  1890 ihrem Sohn Joseph Schuhbauer das Anwesen. 1893 heiratete dieser die Söldnerstochter Karolina Bachl von Steinach Nr. 8.

Sohn Joseph jun.  übernimmt 1940 den Hof und ehelicht die Bauerstochter Franziska Fuchs von Hagnzell.
Seine unverheiratete Schwester Karolina Schuhbauer ist eine große Wohltäterin der Kapflberger Kirche.

 

Schuhbauer Besitzer

 

schuhbauer karolina

 Gedenktafel für die Wohltäterin Karolina Schubauer an der Kapflberger Kirche.
Bild: Claudia Heigl

 

 

1 StaLa, Rentkastenamt Straubing B38, Sal- und Urbarsbuch des Rentkastenamts Straubing, Band II 1579-1807, fol 144‘
2 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P47,  fol. 10‘  Quittung von 1632
3 Jahresbericht des Hist. Vereins für Straubing und Umgebung e.V. Jahresbericht Band 61 (1958): Totenbuch der Pfarrei St. Jakob/Straubing 1625 – 1635, S.105

4 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P51,  fol.7  Kaufbrief vom 1638
5 Bei der Hochzeit der Tochter Katharina am 10.10.1644 wird Wolfgang Halmayer, als Bauer in Wolferszell bezeichnet.

6 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P64 I,  fol. 24  Quittungsbrief vom 19.11.1680 „Katharina Hollermayerin von Muckenwinkling quittiert ihrem Stiefbrudern Adam Hurber von Wolferszell den Empfang von 23 fl 39 Hl . Schwester Dorothes bereits verstorben. 19. November 1680“
7 *KB Steinach/Bd.1, S.87

8 StA Landshut, Rentkastenamt Straubing, P62 II, fol.148  Übergabe vom  04.04.1674

 

weitere Quellen:
StaLa, Rentkastenamt Straubing B38, Sal- und Urbarsbuch des Rentkastenamts Straubing, Band II 1579-1807
BayHStA Kurbayern Hofkammer 114, Konskription des Haupkastenamts Straubing von 1752
Rentamt Straubing B138, Häuser- und Rustikalsteuerkataster Wolferszell 1808
Rentamt Straubing B139, Umschreibbuch zum Häuser- und Rustikalsteuerkataster Wolferszell 1814-1843
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokoll der Steuergemeinde Agendorf von 1836
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9932, Umschreibeheft von Agendorf 1843 - 1859
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9935 Umschreibeheft von Agendorf 1859 - 1894
StA Landshut, Grundsteuerkataster 9939 Umschreibeheft von Agendorf 1894 - 1960
BZA Regensburg, Pfarrmatrikel der Pfarrei Steinach

 

Veröffentlicht am 06.10.2026

 

 

Das Schmuckergütl Hs.Nr. 24

 

ab 1890 Hs.Nr. 28, heute Chorherrenstr. 10, Knott

 

 von Claudia Heigl

 

 

Auf diesem Anwesen, direkt gegenüber dem Wirtshaus und der Kirche, finden wir nach dem 30-jährigen Krieg eine Kramerei.

 

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1838 erhielt das Anwesen die Hs.Nr. 24
Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay.Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

Im Jahr 1657 werden Jakob und Anna Jakobe Zeiß als Kramerseheleute genannt. Zuvor lebte die Familie in Steinach, wo sie ebenfalls eine Handlung betrieb.

Sechs Kinder wurden in Steinach geboren, der jüngste Sohn dann in Münster:
- Johann (1649-1706), Schneider in Münster

- Kaspar (*1651)
- Christopher (*1652)
- Christopher (*1654), 1672 als Schmiedsknecht in Münster genannt1 
- Barbara (*1655)
- Mathias (1657-1672)
- Sebastian (1661-1686)

Als der jüngste Sohn Sebastian gerade mal neun Monate alt ist, stirbt der 46-jährige Kramer.
Die Witwe heiratet daraufhin den Münsterer Wirtssohn Georg Pämer (ältere Schreibweise von Bergmaier). Zwei Jahre später wird auch Jakobe Pämer zu Grabe getragen.

 

Zeiss Besitzer

 

 

Der Witwer Georg Pämer nimmt daraufhin die Bäckerstochter Walburga Pizelmayr aus Steinach zur zweiten Ehefrau.
Sie bringt neun Kinder zur Welt, von denen vier bereits im Säuglingsalter sterben:
- Simon (*1666)
- Maria (*1668) heiratet 1699 den Kramer Johann Berger von Steinach Nr. 55
- Johann Georg (*1669)
- Maria Elisabeth (*1674)
- Walburga (*1675 in Steinach)

1675 übernimmt das Ehepaar die Hoftafern in Steinach Nr. 24, doch bereits ein Jahr später stirbt Georg Pämer.

Die verwitwete Walburga Pämer führt die Geschäfte weiter – die „Erbrechtsbehausung in Münster mit der Krambstatt“ und die „Leibgerechtigkeit auf der Hoftafern in Steinach“.2

Ihre Kinder erhalten jeweils 12 Gulden väterliches Erbe, ausgezahlt im 12. Lebensjahr.
Noch im selben Jahr heiratet Walburga erneut den verwitweten Michael Hartberger.

1677 verkauft der neue Steinacher Hofwirt Hartberger das Münsterer Anwesen mit Krämerei an Adam Lohringer aus Hundsschweif.3

 

Zunächst führt Lohringer das Kramer-Geschäft weiter, doch um 1685 entsteht offenbar ein weiterer Laden unterhalb des Wirtshauses (Haus Nr. 16, heute Chorherrenstraße 3, Luttner).

Im Stiftbuch desselben Jahres wird der alte Kramerladen nicht mehr erwähnt.4


Adam Lohringer zahlt zu dieser Zeit folgende Steuern:
von der Wis in der Hinderau      1 Schilling
vom Haus und Garten                22 Kreuzer 5 Heller
vom Lindtach                              1 Schilling
Pfriendtgelt                                 10 Kreuzer
insgesamt                                    2 Schilling 32 Kreuzer 6 Heller

 

Lohringer Adam ist mit einer Margaretha verheiratet.
Vier Kinder kommen in Münster zu Welt:
- Anna (*1681)
- Magdalena (1687-1763) heiratet 1713 den Häusler Bartholomäus Pummer von Münster Nr. 53
- Anna Maria (*1690)
- Maria (1696), Hoferbin

 

1719 heiratet die jüngste Tochter Maria den Weberssohn Andreas Schmucker von Bonried und übernimmt mit ihm das elterliche Anwesen.
Aus der Ehe gehen fünf Kinder hervor, von denen ein Sohn als Säugling stirbt:
- Johann Michael (*1720)
- Johann Georg (*+1722)
- Maria Katharina (1724-1753) heiratet 1745 den Münsterer Schmied Simon Landlsperger
- Anna Maria (1726-1803) heiratet 1750 Sebastian Dengler, Söldner in Münster Nr. 40
- Johann Jakob (1730-1787), Hoferbe

Der jüngste Sohn Johann Jakob übernimmt 1750 das Familienanwesen und heiratet die Wirtstochter Anna Maria Müller aus Unterzeitldorn. Zum Erbe gehören die Erbrechtsbehausung mit Stadel und Garten, die „Leibsgerechtigkeit auf den halben Pfründ, auf denen laut Leibgedingsbrief vom 18.09.1727 Jakob Ottpacher, Nachtwächter zu Straubing, lebenslang Leichrecht hat“, sowie ein Viertel des geerbten Lintach-Feldes. Der Wert des Besitzes beträgt 700 Gulden;5 die Braut bringt 175 Gulden Heiratsgut ein.6

Anna Maria bringt zehn Kinder zur Welt, von denen fünf das Erwachsenenalter erreichen:
- Johann Baptist (*+1752)
- Anna Maria (*+1754)
- Maria Katharina (*+1755)
- Maria Katharina (1756-1831), Hoferbin
- Maria Anna (1759-1831) heiratet 1783 Michael Lankes, Halbbauer in Steinach Nr. 13
- Anna Maria (*+1762)
- Maria Theresia (*1763)
- Anna Maria (*1766)
- Walburga (*1768) heiratet 1789 Sebastian Hösl von Münster Nr. 17
- Jakob (*+1770)

Zwei Monate nach der Geburt des jüngsten Kindes stirbt die 39-jährige Mutter.

Kurz darauf heiratet der Witwer erneut – Regina Berger aus Münster. Sie bringt ein Erbrechtshäusl (Haus Nr. 42, heute Schiedermeierplatz 6) mit Garten und Weinberg in die Ehe, dass sie kurz vor der Hochzeit von ihren Eltern erhält.7 1775 verkaufen Jakob und Regina Schmucker das Gütl an Andreas und Anna Maria Foidl. 8

Regina bringt vier weitere Kinder zur Welt, von denen zwei Töchter als Säuglinge sterben:
- Magdalena (*+1771)
- Magdalena (*+1773)
- Jakob (*1775)
- Christoph (*1777)

1783 stirbt Regina im Alter von 36 Jahren, und vier Jahre später folgt ihr Jakob Schmucker mit 57 Jahren ins Grab.

 

Loringer Schmucker Besitzer

 

Nach dem Tod des Vaters übernimmt Maria Katharina, die älteste Tochter aus erster Ehe, den Hof. 1788 heiratet sie den Häuslerssohn Johann Parein aus Obermotzing.

Maria Katharina Parein, geborene Schmucker, erlebt ein Leben voller Prüfungen. Bereits mit 14 Jahren verliert sie ihre Mutter. Ihrer Stiefmutter hilft sie früh bei der Versorgung der vier jüngeren Geschwister und später auch der neugeborenen Halbgeschwister. Nach dem Tod der Stiefmutter übernimmt sie schließlich selbst die Mutterrolle für die Halbgeschwister, die damals zwischen sechs und acht Jahren alt sind.

 

Mit ihrem Ehemann Johann Parein bringt sie sechs Kinder zur Welt, von denen jedoch nur zwei das Erwachsenenalter erreichen:
- Joseph (*+1790)
- Johann Georg (1791-1795)
- Maria Theresia (1794-1878) heiratet 1820 den Wirt Johann Georg Röckl von Münster.
- Joseph Tiburtius (*+1796)
- Maria Katharina (*+1797)
- Johann Baptist (1798-1825), Hoferbe

1822 übergeben Maria Katharina und Johann Parein den Hof an ihren Sohn Johann Baptist, der die Bauerstochter Barbara Habrunner aus Reibersdorf heiratet. Doch nur drei Jahre später trifft die Familie ein neuer Schicksalsschlag: Johann stirbt im Alter von 26 Jahren an einem Gehirnschlag.


Die junge Witwe Barbara heiratet noch im selben Jahr Joseph Sturm aus Kagers. Dessen Vater war einst Bauer in Fischerdorf und hatte 1799 Josephs Mutter, die Häuslerswitwe Katharina Fischer aus Kagers, geheiratet. Auch die Schwiegereltern von Barbara scheinen der neuen Verbindung wohlgesinnt zu sein, denn Johann Parein selbst fungiert bei dieser Hochzeit als Trauzeuge.

 

Als Barbara Sturm am 16. September 1826 ihr erstes Kind, Michael, zur Welt bringt, verläuft die Geburt schwer. Sechs Tage später stirbt sie an Kindbettfieber (Mutterbrand). Nur zwei Monate nach ihrem Tod heiratet der Witwer erneut – Therese Loibl aus Fierlbach.

 

Ob sich das junge Paar mit den Austräglern nicht versteht oder andere Gründe eine Rolle spielen, ist nicht überliefert. 1829 verkaufen Therese und Joseph Sturm den sogenannten Schmucker- bzw. Parein-Hof an Andreas Schwarzensteiner für 2.000 Gulden. Das alte Ehepaar Katharina und Johann Parein behält jedoch seine Austragswohnung auf dem Anwesen.

 

Katharina Parein stirbt 1831 im Alter von 74 Jahren. Ein Jahr später folgt ihr Ehemann Johann im Alter von 78 Jahren. Seine letzten Jahre verbringt er bei seiner Tochter, der Wirtin Therese Röckl, in Münster.

 

Andreas Schwarzensteiner hatte bereits 1813 das „Schwarzensteinergütl“ (Haus Nr. 10) von seinem Vater übernommen. 1829 verkauft er dieses um 1.000 Gulden und erwirbt im Gegenzug den doppelt so teuren Schmuckerhof. Verheiratet ist er mit Anna Maria Schneider aus Roith bei Kirchroth.

Das Ehepaar bekommt zehn Kinder, von denen nur drei das Erwachsenenalter erreichen:
- Jakob (*1814), Hoferbe
- Johann Georg (*1817)
- Joseph (*1828)

 

1845 übergibt die verwitwete Anna Maria Schwarzensteiner das Anwesen mit 43 Tagwerk Grundbesitz an ihren Sohn Jakob, der die Bauerstochter Helena Loichinger von Obermotzing heiratet.
Acht Kinder kommen in der Ehe zur Welt, von denen drei im Säuglingsalter sterben:
- Helena (*1847)
- Georg (*1850)
- Franziska (*1852)
- Anna (*1855)
- Anna Maria (*1860)

 

Schwarzensteiner Besitzer

 

Am 11.04.1867 wird das Anwesen versteigert. Den Zuschlag erhält Michael Heilingbrunner.

 

Am 04.07.1867 tauscht Georg Thurl das Haus mit 38,60 Tagwerk Grund ein.

Nur drei Jahre später, am 1. April 1870, erwerben Georg und Maria Obermaier das 38,6 Tagwerk (13,15 Hektar) große Anwesen für 11.600 Gulden.

 

 

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Der Gabler-Hof, heute Knott
aufgenommen 1956
Bild: Familie Weiser, Münster

 

 

1872 erfolgt ein weiterer Tausch: Joseph Gabler und seine Ehefrau Margaretha, geborene Popp, tauschen ihr Anwesen in Witzenzell Nr. 80 gegen den Hof in Münster.

Das Ehepaar bringt fünf Kinder mit, die alle in Witzenzell geboren sind. Vier weitere Kinder waren bereits im Säuglingsalter gestorben.

In Münster kommen drei weitere Kinder zur Welt, die jedoch ebenfalls früh sterben:
- Josef (1857-1938), Hoferbe
- Therese (1858-1925) heiratet 1878 in Münster Joseph Dengler, Söldner in Münster Nr. 40
- Anna Maria (1861-1936) heiratet 1886 in Münster Joseph Brandl, Schmied in Münster Nr. 15
- Alois (*1865) heiratet 1910 in Straubing/St. Jakob  Franziska Hagenkofer von Offenberg
- Margaretha (*1871)

 

1883 stirbt Joseph Gabler durch einen Schlag von einem Pferd. In den folgenden Jahren bewirtschaftet die Witwe Margaretha Gabler den Hof mit ihren Kindern allein, bis sie ihn 1893 an ihren ältesten Sohn Josef jun. übergibt.

 

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aufgenommen 1956
Quelle: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbidlverlag Bertram München

 

 

Josef Gabler heiratet die Bauerstochter Kreszenz Bauer aus Münster Nr. 47 (heute Falkenfelser Str. 19)
Das Paar bekommt dreizehn Kinder, von denen neun das Erwachsenenalter erreichen:
- Maria (*1895) heiratet 1917 in Straubing Durst Johann (*1892)
- Joseph (*1898) heiratet 1933 in Landshut Anna Mirbeck
- Kreszenz (*1899) heiratet 1920 in Straubing Heinrich Reiter (*1896)
- Ludwig (1900-1987) heiratet 1928 Johanna Eckl von Münster Nr. 35 (1907-1995)
- Ottilie (*1901) heiratet 1921 in Steinach den Schloßgärtnersgehilfen Rothlehner Dionys von Velden (1900-1982)
- Johann Baptist (*1903)
- Franziska (1904-1984) heiratet 1933 in Münster Max Färber (*1894)
- Alois (*1905), Hoferbe
- Anna (*1906) heiratet 1925 in Münster Albert Lauerbach (*1901), Kunstmaler in Straubing

 

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Alois Gabler (1857-1938)
gemalt von seinem Schwiegersohn dem Straubinger Künstler Albert Lauerbach
Bild: Familie Knott Münster

 

 

 

Gabler Besitzer

 

 

 

1934 übernimmt der jüngste Sohn Alois Gabler den Hof. Er heiratet Therese Lehner von Allkofen.

Nächste Hofbesitzer werden die Tochter Therese Gabler und ihr Ehemann Xaver Knott von Aufroth.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 640 Ib, fol 38   Quittung 28.11.1672, Hans und Christoph Zeiss, als weil. Jakob Zeissens gewester Kramer zu Münster sel. nachgelassene zwei Söhne quittieren ihren lieben Stiefvater Georg Pämer, jetzigem Kramer zu Münster den Erhalt ihres väterlichen und mütterlichen Erbteils.
2 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 640 II, fol 3  Vertrag 1677
3 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 640 II, fol 15  Kaufvertrag Pr. 350 fl 1677
4 BayHStA München, Straubing Kollegiatstift St. Jakob und Tiburtius KL 3, Zins- und Stiftbuch, fol. 141
5 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 645 I, fol.137   Übergabsbrief fl. 700 28.03.1750
6 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 645 I, fol.153‘   Heiratskontrakt 15.09.1750
7 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 646 fol. 74    Übergabsbrief fl 420  01.06.1770

8 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 648, fol.13_   Kaufbrief 500 fl   29.09.1775

 

Weitere Quellen:
Bischöfl. Zentralarchiv Regensburg, Pfarrmatrikel Pfaffmünster
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer Hofanlagsbuchhaltung 248, Hofmark Münster 1752
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser und Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach 1808
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Münster von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster, Umschreibehefte Münster 17/22-5, 17/22-9, 17/22-14

 

Veröffentlicht: 03.06.2026

 

Das Wagnergütl Hs.Nr. 25

 

ab 1890 Hs.Nr. 29, heute Chorherrenstr. 12, Lutz

 

von Claudia Heigl

 

Als erster Besitzer dieses Anwesens neben der Kirche ist der Wagner und Drechsler Michael Sailler bekannt.

1678 verkauft das Stiftkapitel Straubing an Michael und Margaretha Sailler um 20 Gulden das Erbrecht auf der Behausung. Dazu gehören Äcker, wie auch die Pfaffenwies und der Obst- und Krautgarten.1
Von dem Ehepaar sind drei Kinder bekannt, von denen das jüngste in Münster geboren wurde:
- Margaretha heiratet 1688 in Münster den verwitweten Zimmerman Wolfgang Wanninger von Kirchroth
- Peter heiratet 1697 die Häuslerstochter Maria Gschöpf und zieht in das Haus der Schwiegereltern Münster Nr. 36
- Katharina (*19.04.1679)

 

Sailer Besitzer

 

 

Michael Sailler zahlt 1685 für das Haus 3 Schilling Reg. Pfennige. Dazu kommen noch 30 Kreuzer für das “Riedt“.2

Im Durchschnitt betragen die Abgaben für die Häuser im Stiftbuch von 1685 etwa 18 Kreuzer jährlich. Daher liegt die Vermutung nahe, dass es sich hier um ein ehemaliges Haus für die Chorherren oder die Benefiziaten handelt, wie sie rund um die Kirche zu finden sind.

In Münster gibt es einst acht Chorherrenhäuser und zwei Gebäude für die Benefiziaten. Infolge der Stiftsverlegung nach Straubing im Jahr 1581 wurden die Gebäude verkauft. Da es sich um ansehnliche Steinbauten handelte, dürften die Abgaben für diese Häuser wesentlich höher sein als bei den einfachen Holzhäusern.

 

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 1838 erhielt das Anwesen die Hs.Nr. 25
Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay.Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

 

 

Die Zimmermanns- und Wagnersfamilie Völkl

Am 19.08.1711 erwerben Vitus und Maria Dietl das Anwesen.3 Die Herkunft des Ehepaares ist nicht bekannt.4
Das Ehepaar hat sieben Kinder von denen vier das Erwachsenenalter erreichen:
- Maria Barbara (*1714-1743) Hoferbin
- Martin (*1720) heiratet 1747 in Parkstetten Maria Habrunner von Parkstetten Nr. 31 und wird dort als Zimmermann ansässig
- Georg (*1725)
- Katharina (1727-1751) heiratet 1750 den Maurer Johann Bauer von Münster Nr. 63

Nach dem Tod des Vitus Dietl wird am 07.05.1742 das Erbe verteilt:5
Die Witwe Maria erhält das Vermögen, die vier Kinder folgendes Erbteil:
Der älteste Sohn Martin 30 Gulden, die drei übrigen jeweils 25 Gulden und beide Töchter noch eine Kuh.
Im Anschluss übergibt die Witwe die Behausung mit dem Grundbesitz an ihre Tochter Barbara und ihren zukünftigen Ehemann Dionysius Völkl.

 

Dionysius Völkl stammt von Seyboldsdorf und war wahrscheinlich auf seiner Wanderschaft in Münster gelandet.
Ein Jahr nach der Eheschließung stirbt seine 28-jährige junge Ehefrau. Der Zimmermann geht erneut eine Ehe mit der Tagelöhnerstochter Katharina Hilmer von Unterzeitldorn ein.
Das Ehepaar hat sechs Kinder:
- Johann Vitus (*1746)
- Johann Kaspar (*1748)
- Jakob (*1750) von 1792-1823 Pfarrer in Brennberg
- Andreas (*1753)
- Johann Georg (1755-1844), Hofnachfolger
- Katharina (1759-1801) heiratet 1788 den Bader Bartholomäus Knaup von Münster

 

Dietl Besitzer 1

 

1785 übernimmt der jüngste Sohn Johann Georg Völkl das Anwesen und übt darauf das Wagner-Handwerk aus. Seine Ehefrau wird die Halbbauerstochter Maria Anna Schütz von Forst bei Falkenfels.
Aus der Ehe gehen zwei Söhne hervor, von denen nur der Älteste überlebt:
- Jakob (1787-1863), Hofnachfolger

Vier Wochen nach der Geburt des zweiten Sohnes stirbt die 28-jährige. Sechs Wochen später heiratet der Witwer die Söldnerstochter Katharina Grandsberger von Oberniedersteinach.
Katharina bringt zwischen 1790 und 1800 sieben Kinder zur Welt, von denen nur eine Tochter nicht im Säuglingsalter stirbt:
- Maria Katharina (*1794)

1814 stirbt die 54-jährige an Lungensucht und der Witwer heiratet in dritter Ehe die 44-jährige Häuslerstochter Katharina Hartmannsgruber von Münster Nr. 53.

 

1809 übernimmt der 21-jährige Sohn Jakob das Wagner-Anwesen vom Vater.  1814 geht er den Bund fürs Leben mit der Schreinerstochter Maria Eva Hitzinger von Münster Nr. 6 ein.
In der Ehe kommen elf Kinder zur Welt:
- Joseph (*1815), Hoferbe
- Magdalena (*1816)
- Anna (*1818)
- Katharina (*1818)
- Jakob (*1819)
- Anna Maria (1821-1824)
- Anna (1824-1842)
- Martin (1825-1842)
- Andreas (*1827)
- Johann Georg (*1828)
- Anna Maria (*1836)

 

Im April 1843 übernimmt der älteste Sohn Joseph nach dem Tod der Mutter das Anwesen mit 20 Tagwerk Grundbesitz vom Vater. Er heiratet die Bauerstochter Anna Leibl von Gschwendt Nr. 18.
Das Ehepaar bekommt zehn Kinder:
- Katharina (*+1844)
- Anna Maria (*1845)
- Magdalena (*1847)
- Franziska (*1849)
- Theresia (*1849)
- Katharina (*1852)
- Johann Baptist (*1854)
- Karolina (*1855)
- Johanna (*1856)
- Joseph (*1861)

Joseph beginnt 1853 Grundstücke zu verkaufen und schließlich erwirbt Johann Georg Echinger die Hofstelle mit nur noch 6, 8 Tagwerk Grundbesitz.

1859 erwerben Joseph und Anna Völkl dann den größeren „Hilmerweiherhof“ in der heutigen Weiherstr. 3 in Münster. 1869 tauschen sie dann diesen Besitz mit einem Hof in Perkam und ziehen von Münster weg.

 

Voelkl Besitzer

 

 

 

Die Familie Echinger  und Lutz

Johann Georg und Therese Echinger wohnten vorher auf dem „Ehingergütl“ Hs.Nr. 50 (heute Falkenfelser Str. 17). Ihr bisheriges Häusleranwesen mit 12,32 Tagwerk Grund verkaufen sie an Johann Klingseis.

Das Ehepaar hat zehn Kinder, von denen nur fünf das Erwachsenenalter erreichen:
- Johann Georg (1837-1869) stirbt mi 31 Jahren an Lungensucht
- Therese (1842-1920), Hoferbin
- Jakob (*1846)
- Franziska (*1847)
- Helena (1850-1872) stirbt mit 21 Jahren an Gedärmentzündung

 

1870 erbt Tochter Therese nach dem Tod des Vaters das Anwesen und heiratet den Gütlerssohn Joseph Lutz von Zinzendorf.
Das Ehepaar hat sieben Kinder, von denen drei im Säuglingsalter sterben:
- Alois (*1872)
- Ludwig (*1873)
- Josef (*1876) Hoferbe
- Kreszenz (1879-1887) stirbt mit vier Jahren an Diphtherie

 

 Sohn Josef übernimmt 1903 den Hof und heiratet Maria Wacker von Hornstorf.
Ein Jahr später stirbt die 24-jährige an Herzlähmung.

Zwei Jahre später heiratet der Witwer die Bauerstochter Kreszenz Retzer von Bärnzell.
In der Ehe kommen sechs Kinder zur Welt, von denen ein Sohn kurz nach der Geburt stirbt:
- Anna Maria (1908-1983) verh. Geier in Münster
- Kreszenz (*1908)
- Josef (*1910), Hofnachfolger
- Therese (1912) verh. Bauer in Münster
- Anna (*1914) verh. Pfisterer

 

Echinger Lutz Besitzer

 

1950 übernimmt Sohn Josef Lutz das Anwesen, dass immer noch in Familienbesitz ist.

 

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Das Anwesen aufgenommen ca. 1956
Bild: Familie Lutz, Münster

 

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aufgenommen 1956
Quelle: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbidlverlag Bertram München

 

 

 

 

1 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 640 II, fol 53   Erbrechtsverlassung 1678
2 BayHStA München, Straubing Kollegiatstift St. Jakob und Tiburtius KL 3, Zins- und Stiftbuch, fol. 137‘
3 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 645 I, fol 7  Vertrag  07.05.1742. In dem Übergabevertrag ist vermerkt, dass das Anwesen am 19.08.1711 käuflich erworben worden war.
4 1708 wird Vitus als Taufpate bei einem Sohn des Georg Amann im Kirchenbuch von Parkstetten aufgeführt. Hier wird er als Tagelöhner in Oberparkstetten bezeichnet.
5 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 645 I, fol 7  Vertrag  07.05.1742

 

Weitere Quellen:
Bischöfl. Zentralarchiv Regensburg, Pfarrmatrikel Pfaffmünster
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer Hofanlagsbuchhaltung 248, Hofmark Münster 1752
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser und Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach 1808
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Münster von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster, Umschreibehefte Münster 17/22-5, 17/22-9, 17/22-14

 

Veröffentlicht: 03.06.2026

 

 

Das Scherzergütl Hs.Nr. 26

 

ab 1890 Hs.Nr. 30, heute Chorherrenstr. 14, Weiß

 

von Claudia Heigl

 

 

uraufnahme bearb

1838 erhielt das Anwesen die Hs.Nr. 26
Uraufnahme aus dem Jahr 1827
Quelle: Bay.Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas

 

Als erster Besitzer dieses Anwesens ist ab ca. 1727 der Schuster Sebastian Scherzer bekannt.

Sebastian stammt von Mitterfels und war der Sohn der Söldnerseheleute Kaspar Scherzer und dessen Ehefrau Katharina, geb. Heiligenmayr.
In erster Ehe heiratete er 1710 die Halbbauerstochter Maria Probst von Oberkogl. 1719 geht er eine zweite Ehe mit der Bauerswitwe Barbara Wartner, geb. Kuhdorfer (auch Kiedorfer) von Weingarten ein.
Etwa 1727 zieht die Familie nach Münster. Nach dem Tod von seiner zweiten Ehefrau Barbara heiratet der Witwer 1730 die Bauerstochter Walburga Bayer vom Auhof.

Folgende Kinder sind von ihm bekannt:
- Simon (*12.04.1712 in Scheibelsgrub + 11.05.1727 in Münster)
- Maria (*14.02.1732 in Münster)
- Johann Kaspar (*10.02.1735 in Münster) Hoferbe
- Urban (*16.10.1736 in Münster)
- Maria (1738-1753 in Münster)
- Jakob (*17.04.1741 in Münster)
- Johann Michael (*04.01.1745 in Münster)
- Eva (*14.09.1746 in Münster)

 

Sohn Johann Kaspar übernimmt am 11.01.1751 den Anwesen von der Mutter und heiratet 1755 die Häuslerstochter Margaretha Mayer von Münster.1
Das Ehepaar hat neun Kinder:
- Anna Maria (1756-1827) heiratet 1804 den Ziegelmeister Michael Hartmannsgruber von Münster Nr. 44
- Maria Barbara (*1760)
- Maria Katharina (*1762)
- Johann Georg (1765-1828), Hoferbe
- Maria Barbara (1767-1841) heiratet 1788 den Schuster Michael Agsteiner von Münster Nr. 43
- Franziska (*1770)
- Maria Anna (*1773)
- Jakob (*1776) als Kind verstorben
- Eva (*1777)

 

Der einzige Sohn Johann Georg folgt 1793 als Hofnachfolger. Er vermählt sich mit der Schmiedstochter Maria Anna Haselbeck von Münster.
In der Ehe kommen zwölf Kinder zur Welt, von denen nur fünf das Kindsalter überleben:
- Maria Katharina Lucia (*1794)
- Joseph Martin (*1795)
- Johann Georg (1799-1847) heiratet 1829 die Witwe Walburga, des verstorbenen Häuslers Joseph Spießl von Münster Nr. 62
- Maria Anna (*1801)
- Josef (*1807), Hoferbe

 

Der jüngste Sohn Joseph übernimmt 1833 das Anwesen und geht eine Ehe mit Anna Maria Brandl von Fischerdorf ein.
Das Ehepaar hat insgesamt neun Kinder:
- Helena (1833-1839)
- Heinrich (*+1834) als Säugling gestorben
- Georg (1835-1839)
- Franziska (1837-1839)
Im Juni 1839 erlebt die Familie einen schweren Schicksalsschlag – alle ihre drei noch lebenden Kinder sterben im Alter zwischen 6 und 2 Jahren an Bräune (Diphterie).
Es kommen dann nochmals fünf Kinder zur Welt:
- Georg (*1840)
- Franz Xaver (*1842)
- Anna (1844-1872) stirbt unverheiratet an Lungenschwindsucht
- Anna Maria (*1846)
- Josef (*1850)

 

 

Scherzer Besitzer

 

Am 24.03.1869 veräußern sie das 10 Tagwerk große Gütl um 1.750 Gulden an Franz Kulzer und dessen Ehefrau Margaretha, geb. Hellibrand und ziehen von Münster weg.

 

Am 23.01.1896 kauf ein Georg Brunner das Anwesen mit 3,8 ha um 3.600 Mark von der Kulzer-Witwe.

Bereits zwei Monate später veräußert er das Haus mit nur noch 0,849 ha Grundbesitz an Peter Sieber von Münster.
Die Familie Sieber war vorher auf dem Anwesen Hs. Nr. 34 (Bergstr. 7) in Münster ansässig.

1902 übergibt Peter Sieber das Haus an seine Tochter Maria und deren Ehemann Ludwig Bauer.

 

Sieber Besitzer

 

Am 30.06.1909 tauschen Josef u. Maria Bauer das Haus gegen das Anwesen Nr. 103 1/3 in Straubing mit Künstler Stefan und Fanny.
Das Ehepaar Bauer zieht zusammen mit dem Vater Peter Sieber nach Straubing. Am 15.11.1911 siedelte die Familie weiter nach Sossau um.

 

Am 25.02.1909 erwirbt das Haus Josef Biederer um 1.500 Mark von dem Ehepaar Künstler.

Josef Biederer war mit der Gütlerstochter Theresia Geier von Münster verheiratet und hatte vorher in Münster Nr. 8 (Brunnenstr. 6) gewohnt.
Das Ehepaar hat elf Kinder, von denen fünf im Kindsalter sterben.
1900 hatte er sein Anwesen bereits an seinen Sohn Josef Biederer übergeben.

Kurz vor seinem Tod übergibt Joseph im April 1919 das Anwesen an seinen Sohn Martin Biederer, der die Bauerstochter Franziska Retzer von Bärnzell ehelicht.

 

neg stei 13 kopie 2aufgenommen 1956
Quelle: Archiv f. Heimatgeschichte Steinach, Bestand Luftbidlverlag Bertram München

 

 

 

Biederer Besitzer

 

Tochter Franziska übernimmt das elterliche Anwesen und heiratet Hugo Weiß.

 

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aufgenommen 1956
Das alte Bauernhaus wurde aufgestockt und erweitert.
Bild: Familie Weiser, Münster

 

fo muen 414

aufgenommen 1990
Bild: Familie Weiser, Münster

 

  

1 BayHStA München, Briefprotokolle Straubing 645 II, fol.43   Übergabe fl 200 11.01.1755

 

Weitere Quellen:
Bischöfl. Zentralarchiv Regensburg, Pfarrmatrikel Pfaffmünster
BayHStA München, Kurbayern Hofkammer Hofanlagsbuchhaltung 248, Hofmark Münster 1752
StA Landshut, Rentamt Straubing B78, Häuser und Rustikalsteuerkataster Münster incl Steinach 1808
Vermessungsamt Straubing, Liquidationsprotokolle der Steuergemeinde Münster von 1838
StA Landshut, Grundsteuerkataster, Umschreibehefte Münster 17/22-5, 17/22-9, 17/22-14

 

Veröffentlicht: 03.06.2026