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 Das Hafnergütl Hs.Nr. 5 in Gschwendt

 

heute Kinsachstraße 5

 

 

von Cornelia Landstorfer

 

 

Auf diesem Haus wurde bis etwa 1810 das Hafnerhandwerk ausgeübt. Um 1870 gehörten 22 Tagwerk Grundbesitz zu dem Anwesen.

Ein Stiftbrief zugunsten der Pfarrkirche St. Michael in Steinach aus dem Jahr 1489 weist dieses Anwesen als Besitz der Straubinger Bürgerin Kathrei Puchsenmeister nach. Die Stifterin musste der städtischen Mittel- oder Oberschicht angehören, da sie Grundbesitz hatte und selbständig als Rechtsperson auftrat.

 

1489, Freitag vor Petri ad vincula, Straubing
Ich, Kathrey Puchsenmeisterin, Bürgerin zu Straubing
, bekenne hiermit öffentlich für mich, meine Erben, Freunde und Nachkommen:
Ich übergebe mit wohlbedachtem und freiem Willen mein Gut mit allem Zubehör, gelegen in der Hofmark Gschwend des Spitals zu Straubing. Dieses Gut ist mir teils erblich von meinem verstorbenen Bruder Benedikt Zaun zugefallen, teils habe ich es von meinen Verwandten und Untertanen abgelöst und vollständig an mich gebracht.
Mit Zustimmung eines ehrbaren Rates und des Spitalpflegers zu Straubing übergebe ich dieses Gut der Pfarrkirche St. Michael zu Steinach samt ihren Kirchenpröpsten – für die Stiftung eines ewigen Jahrtags, wie nachfolgend bestimmt.
Es soll für meinen Bruder Benedikt Zaun, für dessen Ehefrau Margarethe (beide verstorben), und für mich, Kathrey Puchsenmeisterin, auf ewige Zeiten ein jährlicher Jahrtag sowie ein Sonntagsgedächtnis abgehalten werden.
Der Jahrtag soll in der Woche vor dem St.-Veit-Tag (15. Juni) gehalten werden und soll am Sonntag zuvor von der Kanzel angekündigt werden.
In der festgelegten Woche soll eine gesungene Vigil, zwei gesungene Ämter am Morgen, eine gesprochene Seelenmesse mit aufgesteckten, brennenden Kerzen wie es üblich ist gefeiert werden. Jährlich sollen aus dem Gut 46 Regensburger Pfennige und 2 Regensburger Pfennige für den Mesner gegeben werden. Wenn die Kirche dieser Verpflichtung nicht nachkommt, hat der Spitalpfleger zu Straubing das Recht, die Einkünfte des Gutes einzuziehen und sie den Armen im Spital zukommen zu lassen.1

 

1508 sind in einer Urkunde der Fragner Hans Schuster, Bürger zu Straubing und seine Frau Barbara als Verkäufer des Erbrechtes auf der Sölde genannt. Käufer ist Leonhard Pichlmayr aus Wolferszell und Ehefrau Margaretha.

Drei Schilling und zehn Regensburger Pfennige mussten an die St. Michaelskirche in Steinach als Stiftgeld bezahlt werden.2

 

1529 ist ein Leonhard Weber genannt, der vermutlich auf dem genannten Anwesen war.3

 

Im Jahr 1606 erben Paul Fischer, rentmeisterischer Untertan aus Wolferszell und seine Frau Eva nach dem kinderlosen Tod von Fischers Bruder Christoph dessen Erbrecht. Das Ehepaar lebt jedoch in Wolferszell und kann das Anwesen nicht selbst bewohnen, deshalb überlassen sie die Sölde in Gschwendt ihrem Sohn Michael Fischer und seiner Frau Maria.4

 

1618 war Lienhart Weber auf dem Anwesen.5

 

Der Hafner Michael Limer besaß vor 1630 neben der Hausnummer 3 die danebenliegende Hafnersölde, die er jedoch wieder veräusserte.6

 

uraufnahme kopie

 Die Hafnersölde erhielt 1838 die Hausnummer 5 in Gschwendt
Quelle: Bay. Vermessungsverwaltung München, Bayernatlas, Uraufnahme

 

 

Ab 1630 wird Michael Fischer als Hafner auf dem Haus genannt.

In erster Ehe war er mit einer Rosina verheiratet und hatte mit ihr einen Sohn:
- Andreas (*27.11.1639)

Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er 1643 Margaretha Weißböck von Schönach.
Zusammen mit seiner Ehefrau Margaretha hatte er nochmals zehn Kinder: Johann (1), Johann (2), Thomas, Johann (3), Walburga, Anna, Georg, Thomas Georg, Maria und Elisabeth. Alle Söhne starben.

 

Fischer Besitzer

 

Folgende Beschreibung ist im Salbuch des Bürgerspitals Straubing zu lesen:
„Zu solchem gehert ain behaußung, ain Rosstahl, ain Stadl, mit ainem Then, und noch Viechstähl, ain Poden, ain Pachoffen, alles von grundt auf zimmert und erpaudt, der hoff ist schen groß und eben, vor dem hauß ain gredt, und ist an den übrigen orthen, so mit gepeuen nit beschlossen, würdet der hoff mit ainer zaunstatt umbgeben und eingemacht.“

 

Im Jahr 1657 ist musste Michael Fischer Strafe zahlen:
„Michael Vischer Hafner zu Gschwendt hat an ausständigen 9f 4k umb verkauftes Holz und Strafgeld hergeführt in Abschlag  2 Gulden 49 Kreuzer.“7

 

Es folgt ein Leonhard Hartberger, Hafner (+vor 1669) und Walburga.

 

Hartberger Besitzer

 

Ca. 1668 kommen der Hafner Schuhbauer Johann und seine Ehefrau Ursula auf das Anwesen. Das Ehepaar betrieb vorher in Steinach Hs.Nr. 62 eine Hafnerwerkstätte.
Am 14.07.1674 wird Hans Schuhbauer, Hafner in Gschwendt, beschuldigt, sein Roß in die Getreidefelder getrieben zu haben, wofür er mit 1 Gulden 8 Kreuzer 4 Heller bestraft wird.8

Im Januar 1675 fällt der 32-jährige in das Mühlrad in Gschwendt, wobei er eingeklemmt wird und ertrinkt.

 

Aus der Ehe gehen keine Kinder hervor. Die Witwe Ursula Schuhbauer heiratet den Schullehrerssohn Johann Dirlinger von Steinach, der auch die Hafnerwerkstätte weiterbetreibt.
Drei Kinder kommen in der Ehe zur Welt:
- Antonia (*1677)
- Adam (*+1678)
- Bartholomäus (*1679)

 

1683 stirbt die 40-jährige im Kindsbett und der Witwer nimmt die Bauerstochter Ursula Stubenhofer von Gschwendt Nr. 1 zur zweiten Ehefrau.
Es kommen in der Ehe sieben Kinder zur Welt, von denen zwei im Säuglingsalter sterben:
- Maria (*1684)
- Anna Maria (*+1685)
- Maria (*1687)
- Ursula (*1689)
- Anna (*1691)
- Anna (*1693)
- Adam (*+1694)

 

1695 stirbt die 39-jährige und der Witwer geht erneut eine Ehe mit der Söldnerstochter Rosina Klein von Steinach ein.
Es kommen nochmals sieben Kinder zur Welt:
- Barbara (*1696)
- Walburga (*1698)
- Georg (1700-1742), wird ab 1722 Hafner in Steinach Nr. 69
- Adam (*1702)
- Johann (*1704)
- Johann (*1706)
- Mathias (*1711)

 

Schuhbauer Besitzer

 

 

Um 1718 tauschen Johann und Rosina Dierlinger ihr Anwesen mit dem Hafneranwesen des Christopher und Maria Miller in Steinach Hs.Nr. 69.

Christopher war ein Neffe des Johann Dierlinger und seit 1711 mit der Bauerstochter Maria Deblinger von Steinach verheiratet.
Das Paar hat zehn Kinder. Die ersten fünf sind in Steinach geboren, die weiteren fünf in Gschwendt:
- Mathias (*1712)
- Maria (*1713)
- Joseph (1715-1766) heiratet 1743 die Hafnerswitwe Eva Wiesinger von Ascha Nr. 27
- Simon (1716-1785) heiratet 1754 die Hafnerswitwe Martha Lankes von Steinach Nr. 62
- Maria (1718-1764) heiratet 1744 den Schneider Nikolaus Kiefel von Gschwendt Nr. 10
- Anna (*1719) als Kind verstorben
- Katharina (*1720)
- Anna Maria (*1726) als Kind verstorben
- Anna Maria (*1727) heiratet 1760 den Maurer Wolfgang Steinbiller von Wiesenfelden und lässt sich mit ihrem Ehemann in Gschwendt nieder.
- Joseph (1730-1772), Hofnachfolger

 

 

1762 übernimmt der jüngste Sohn Joseph Miller die Hafnerei und heiratet die Bauerstochter Theresia Schütz vom Kindlasberg.
Das  Ehepaar hat fünf Kinder:
- Stephan (*1763) als Kind verstorben
- Joseph (*1765) als Kind verstorben
- Michael (*1766)
- Joseph (*1769)
- Jakob (*1771)

 

28.05.1773: Nach dem Tod des Hafners und Söldners Josef Müller wird für die Witwe Theresia und die drei Kinder Michael (7jährig), Josef (4 ½jährig) und Jakob (5/4 Jahre) folgender Vertrag geschlossen: Der Witwe verbleibt die durch Heirat am 16.10.1762 an sich gebrachte zur Pfarrkirche Steinach grundbare Erbrechts-Hafnersöldenbehausung. Den Kindern hat sie je 66 Gulden und 40 Kreuzer auszubezahlen. Falls die Söhne eine „Handtierung“ erlernen wollten, muss die Witwe oder ihr künftiger Ehemann je sechs Gulden aufbringen.

Zeugen: Ignaz Zehetmayr, Schreiber und Andre Rauschendorfer, Spitalhausknecht, beide zu Straubing.9

 

Die Witwe geht erneut eine Ehe mit dem Hafnerssohn Johann Georg Scherzer aus Oberhunderdorf ein. Hier wird ein Vertrag geschlossen, in dem der Bräutigam 100 Gulden Heiratgut mitbringt.

Aus der Ehe gehen keine Kinder mehr hervor.

 

1789 stirbt Theresia Scherzer und das Erbe wird verteilt:

27.06.1789: Auf Ableben der Theresia Scherzer, Ehefrau des Georg Scherzer, Hafner und Söldner zu Gschwendt, hat sich der zurückgelassene Wittwer mit seinen angeheirateten zwei Stiefsöhnen, Michael, 22 Jahre und Jakob Miller, 17 Jahre, letzterer von Lorenz Thaller Hufschmied zu Parkstetten und Andre Weichselgartner, Halbbauer zu Gschwendt bevormundet, um ihr Vater- und Muttergut verglichen.
Die seit 22. Oktober 1773 mittels Heirat an sich gebrachte Erbrechts-Hafnersölde verbleibt dem Wittwer.10

 

 Der Witwer heiratet erneut die Bauerstochter Magdalena Fruhstorfer von Kößnach.
Auch hier wird ein Heiratsvertrag geschlossen:
23.10.1789: Georg Scherzer, verwitweter Hafner und Söldner zu Gschwendt hat sich mit der tugendsamen Magdalena, Tochter von Hans Georg Fruhstorfer, gewester Bauer zu Kößnach und Theresia dessen Eheweib, verehelicht. Die Braut bringt ein Heiratsgut von 400 Gulden an Geld. Der Bräutigam verheiratet der Braut dessen durch Vertrag de dato 30. Oktober an sich gebrachte Hafnersölde. Beiständer auf Seiten des Hochzeiters Martin Scherzer, Bürger und Hafner zu Bogen und Josef Schuhbauer, auch Hafner zu Wolferszell, dann auf Seiten der Braut Bärtlme Fruhstorfer, Bauer zu Kößnach und Johann Geiger, Bauer am Unterharthof und Hans Andre Fruhstorfer, Häusler zu Kagers.11

 

Die Ehe bleibt ebenfalls kinderlos.

Am 27.09.1810 verkauft der Hafner Georg Scherzer zusammen mit seiner Ehefrau Magdalena aufgrund hohen Alters sein zur Mutterkirche Steinach erbrechtig grundbares Viertlgütl mit Vorbehalt der Hafners Gerechtigkeit an Georg Foierl von Eggersberg um die Summe von 1100 Gulden. Der Stiefsohn Michael Müller sollte 50 Gulden bei seiner Verehelichung erhalten.

 

Miller Besitzer

 

 

 

Damit endet das jahrhundertalte Hafnergewerbe auf dem Anwesen.

 

Johann Georg Foyerl war der Sohn der Halbbauerseheleute Johann Georg Foyerl und Elisabeth geb. Urban von Eggersberg. Die Familie wohnte vorher in Schwemm, bevor sie ein Anwesen in Eggersberg erwarben.
Georg’s Großvater stammte von Steinach Hs.Nr. 41. Der Familienname Foidl wandelte sich in der Linie in Foyerl/Foierl.

Johann Georg Foierl heiratet am 28. September 1810 Elisabeth Eidenschink von Schleißersgrub.12

In der Ehe kommen zehn Kinder in Gschwendt zur Welt. Hier wird als Familienname wieder Foidl eingetragen:
- Josef (1810-1811)
- Sebastian (*1812)
- Johann Bapitst (1813-1814)
- Anna Maria (*+1814)
- Theresia (*1816)
- Katharina (1817-1877), lebte unverheiratet in Gschwendt
- Georg (1819-1819)
- Anna (1823-1878), Hoferbin
- Margaretha (1825-1878), lebte unverheiratet in Gschwendt
- Barbara (*1827)

1831 wird das Anwesen im Grundsteuerkataster wie folgt beschrieben: „Das 1/4 Hafnergütl, beim Foierl

Wohnhaus und Stall unter einem Dach, Stadel, Backofen und Hofraum.13

Tochter Anna heiratet 1852 den Söldnerssohn Clement Probst von Falkenfels und „erkauft“ das Anwesen um die Summe von 2345 Gulden.14
Das Paar bekommen sechs Kinder:
- Therese (1853-1933) heiratet 1880 in Ascha den Bauern Joseph Fuchs (1848-1918) vom Krähof. Beide haben ihren Alterssitz später in Steinach Nr. 49.
- Anna (*+1855)
- Klemens (1857-1908)
- Anna (1860-1866)
- Joseph (*1863)
- Anna (*1868)

 

Nachdem 1878 Anna Probst an Typhus stirbt wird folgender Muttergutsvertrag aufgesetzt:
„N. V. U. Nr. 100 Urkunde des königlichen Notars Eggert in Mitterfels am 11. Februar 1879 ad 8600 M. incl. Besitz in der Steuergemeinde Ascha auf Ableben der Ehefrau Anna zufolge des Muttergutsvertrages zum Alleineigentum erworben.“

Clement Probst ist 1855/63-66 als Gemeindevorstand und 1868 als Gemeindepfleger genannt.

 

Am 18.08.1887 übergibt der Witwer das Anwesen an seinen Sohn Clement Probst und dessen Braut Theres Bach15

Ein Sohn kommt in Gschwendt zur Welt: Klement (*1888)

 

 

foyerl probst besitzer

 

 

Am 17.12.1889 tauschen Götz Jakob und Kathi Menacher die Mühle in Ascha mit Clement und Therese Probst gegen deren Anwesen in Gschwendt.16

 

fo gschw 1 kopie

aufgenommen ca. 1956
Bild: Familie Landstorfer, Gschwendt

 

Bereits sechs Monate später erwerben Johann und Maria Weinzierl das Anwesen um 2500 Mark.
Johann stammt von Schwemm und hatte bereits 1883 die Schreinerstochter Maria Schmid von Loitzendorf geheiratet.

1924 übergibt das kinderlose Ehepaar das Anwesen an ihre Nichte Kreszenz Weinzierl.

 

1927 heiratet Kreszenz den Bauerssohn Johann Steger von Tragenschwand.

 

 

Weinzierl Steger Besitzer

 

 

 

 

 

 

 

1 Vgl. StALa, Rentkastenamt Straubing B157.
2 Vgl. Stadtarchiv Straubing, Salbuch Bürgerspital, fol. 801``.
3 StALa, Landschaft Unterlands Rep. 286 Nr. 1180/III.
4 Vgl. Stadtarchiv Straubing, Salbuch Bürgerspital, fol. 804``.
5 StALa, Rentkastenamt Straubing B157.
6 Vgl. Stadtarchiv Straubing, Salbuch Bürgerspital 1630, fol. 713.
7 Vgl. Stadtarchiv Straubing, Rechnung Bürgerspital 1657.
8 Laschinger J., Geschichte der Spitalstiftungen in Straubing erschienen im Jahresbericht des HV f. Straubing 87 Jg. 1986, S. 251
9 Vgl. StALa, Kommunalarchive (Rep) 219 1588.
10 Vgl. StALa, Kommunalarchive (Rep) 219 1593.
11 Vgl. StALa, Kommunalarchive (Rep) 219 1593.
12 Vgl. StALa, Kommunalarchive (Rep) 219 1600.
13 Vgl. StALa, Grundsteuerkataster 208.
14 Vgl. StALa, Grundsteuerkataster 212.
15 Vgl. StALa, Grundsteuerkataster 214.
16 Nach K. V. Nr. 144 und Not. Urkunde des k. Notars Eggert in Mitterfels vom 17. Dez. 1889 ad 10400 M gegen das Anwesen Hs. Nr. 4 in Ascha ad 12971 Mark eingetauscht

 

veröffentlicht: 24.03.2026